Juni 2012: Mowag reduziert seine Belegschaft von 928 auf 658 Mitarbeiter: Kreuzlinger Rüstungsfirma streicht fast ein Drittel aller Stellen.
Mowag (abgekürzt aus "Motorwagen-AG")
Adresse: General Dynamics, European Land Systems-Mowag, Unterseestrasse 65, 8280 Kreuzlingen, Switzerland (zur Firmenwebsite)
Youtube-Video (siehe unten): Radpanzer aus Kreuzlingen
beim Einmarsch nach Bahrain, zur Unterdrückung des arabischen Frühlings im März 2011. Die arabische Demokratie-Bewegung dankt den Mitarbeitern der Firma Mowag.
Die Mowag gehört zu 100 % dem US-Rüstungskonzern „General Dynamics“ (GD). Dieser Konzern ist der fünftgrößte Rüstungskonzern der Welt. GD hat eine Tochterfirma: die „General Dynamics European Land Systems“ (GDELS) mit Hauptsitz in Madrid. Die vier Standorte der Firma GDELS:
(1.) General Dynamics European Land Systems-Germany
- Hauptsitz und Werk: Kaiserslautern, Deutschland
- Produkte: Mobile militärische Brückensysteme
(2.) General Dynamics European Land Systems-Mowag
- Hauptsitz und Werk: Kreuzlingen, Schweiz
- Produkte: Gepanzerte Radfahrzeuge
(3.) General Dynamics European Land Systems Santa Bárbara Sistemas
- Haupsitz: Madrid, Spanien
- Werksanlagen: 7 Standorte: Palencia, Oviedo, Trubia, La Coruña, Granada, Sevilla, Madrid – R&D
- Produkte: Radfahrzeuge, Kettenfahrzeuge, Artillerie, Munition
(4.) General Dynamics European Land Systems-Steyr
- Hauptsitz und Werk: Wien, Österreich
- Produkte: Geschützte Radfahrzeuge, Kettenfahrzeuge

Auf den Luftbildern rechts (und unten) sieht man ein paar Tötungsmaschinen auf dem Gelände der Firma MOWAG in Kreuzlingen.

März 2011: Auf dem Platz der Perlen, im Herzen von Manama, der Hauptstadt des Königreichs Bahrain, demonstrieren seit dem 19. Februar 2011 täglich Zehntausende friedlicher Bürgerinnen und Bürger für Freiheit und Demokratie. Am Mittwoch, dem 16. März 2011, rief Regierungschef Scheich Al Chalifa den saudischen König zu Hilfe. Die saudischen Truppen schossen in die Menge: aus schweizerischen Panzerfahrzeugen, mit schweizerischen Schnellfeuerkanonen. Dutzende Menschen starben.
Im letzten Jahr hat die Schweiz für 640 Millionen Franken Kriegsgerät an 69 Regierungen geliefert. Exportschlager sind die Schützenpanzer Piranha der Firma Mowag aus Kreuzlingen / Turgau. Besonders Saudiarabien schätzt sie sehr. Die Saudis waren 2010 der zweitgrösste Kunde der Schweizer Waffenindustrie. Sie kauften für 132,6 Millionen Franken ein. Die Kriegswaffenlieferungen an Saudiarabien, an die Emirate am Golf und an andere Unrechtsregimes werden blauäugig vom Staatssekretariat für Wirtschaft abgesegnet. (Quelle: hier. Den ganzen Text finden Sie auch hier.)
Piranha - der Tod aus Kreuzlingen
Der Mowag Piranha ist ein Radschützenpanzer in den Ausführungen 4×4, 6×6, 8×8 und 10×10, darunter verschiedene Ausstattungsmöglichkeiten wie z. B. eine amphibische Ausführung. Insgesamt sind momentan 8000 Piranhas weltweit im Einsatz. Das Gewicht variiert bei den Standard-Ausführungen zwischen 12,5 und 25 Tonnen, wobei die Nutzlast von 3 bzw. 10 Tonnen noch abgezogen werden muss. Unter der Bezeichnung LAV-25 beim US Marine Corps, respektive als Stryker bei der US-Army sind auf dem Piranha basierende Fahrzeuge bei den US-Streitkräften im Einsatz.
Zitat Mowag-Homepage: "In the field of military technology, MOWAG produces high mobility, armoured wheeled vehicle systems - ranging from the light tactical vehicle EAGLE, the protected and unprotected tactical vehicle DURO to the heavier land-only and amphibious PIRANHA family with a gross vehicle weight of up to 25 t.
With the PIRANHA III 8x8 vehicles the tradition of the well-proven PIRANHA vehicle concept, commissioned in a considerable number of armies around the globe, is set forth. Many users of these vehicles render a valuable contribution to the numerous international peace missions of the United Nations.
As a further evolution of the highly successful PIRANHA Family of armoured wheeled vehicle, as adopted by various NATO ( including the U.S. Army) and Non-NATO countries, MOWAG developed as a private venture the PIRANHA IV 8x8 vehicle to complement any applications over and above the PIRANHA III capabilities. The heavier PIRANHA IV 8x8 vehicle, using the well proven technology of the PIRANHA III, offers, due to higher payload, higher levels of armour as well as mine protection."
Aus Kreuzlingen nach Afghanistan
(www.Seemoz.de vom 22.12.2010)
In der Kreuzlinger Unterseestraße 65 ist die Freude riesengroß. Denn die deutsche Bundeswehr hat jetzt beim Thurgauer Produzenten für Militärfahrzeuge, MOWAG, 195 gepanzerte „Eagle“-Fahrzeuge bestellt. Das Auftragsvolumen beträgt rund 125 Millionen Euro. Und es ist der dritte Großauftrag der Bundeswehr für die MOWAG in nur drei Jahren. Insgesamt fast 500 Kleinpanzer aus Kreuzlingen kurven dann für die Bundeswehr durch den Hindukusch.
Schon im November 2009 hatte die Bundeswehr „Eagle“-Fahrzeuge bestellt. Im Einsatz haben sie sich offenkundig bewährt, denn schon im April 2010 folgte eine weitere Bestellung über 60 Fahrzeuge. Und kurz vor Weihnachten nun der dritte Großauftrag. Zusammen dürften die Aufträge ein Volumen von annähernd 500 Euro haben, die als Rüstungsgelder in nur drei Jahren von Berlin nach Kreuzlingen geflossen sind.
Die weitgehend unbekannte Waffenschmiede MOWAG (Motorenfabrik AG) wurde 1950 von dem Kreuzlinger Ingenieur Walter Ruf gegründet. Seit 2003 ist sie Tochterfirma des US-Waffenbauers General Dynamics; sie beschäftigt nahezu 800 Menschen in Kreuzlingen, darunter zahlreiche Grenzgänger aus Konstanz und dem Umland. In den 60 Jahren ihres Bestehens hat MOWAG fast 14.000 Panzerfahrzeuge für fast alle NATO-Staaten produziert.
Exportschlager der Kreuzlinger Waffenschmiede ist gegenwärtig der Radpanzer „Eagle“ (Adler). Das über fünf Meter lange Gefährt ist so etwas wie ein Zwischending zwischen Panzer und Geländewagen – der Räder wegen schneller als ein Kettenfahrzeug (Höchstgeschwindigkeit: 110 km/h), der Panzerung und Bewaffnung wegen schlagkräftiger als ein Geländewagen. Es wird als Transport- (fünf Soldaten finden Platz im „Eagle“ ), Aufklärungs- und Führungsfahrzeug eingesetzt. Und hat seine Feuertaufe mehrmals bestanden: Nach mehreren Anschlägen auf Bundeswehr-Fahrzeuge deutscher Bauart in Afghanistan erwies sich der Kreuzlinger Panzer als sicherstes Gefährt im NATO-Fuhrpark. Die Kreuzlinger konnten sich dann auch erfolgreich gegen die Konkurrenz der Rüstungskonzerne Krauss-Maffei in München und Rheinmetall in Düsseldorf durchsetzen.
Und „Eagle“ ist wahrlich ein Bombengeschäft für die Muttergesellschaft aus den USA. Denn der Kreuzlinger Rohbau wird bei einer deutschen General-Dynamics-Tochter in Kaiserslautern erst kriegstauglich gemacht. Da erhält er seine Maschinenkanone, seine Funkausrüstung, seine Tarnfarbe – perfekt für den Kriegseinsatz am Hindukusch. Doch die Kreuzlinger bleiben während der gesamten Lebensdauer des „Eagle“ im Geschäft. Denn MOWAG-Techniker übernehmen den Reparatur-Service in Afghanistan. Stellt sich doch die Frage: Servicemänner der neutralen Schweiz im Kriegsgebiet – dürfen die das?
Autor: Hans-Peter Koch
"Arabischer Frühling" in Bahrain, von Carsten Kühntopp, ARD-Korrespondentenbüro Dubai (21.05.2011)
Der Frühling ist hier ein tiefer Winter
Bahrain war einst bekannt für sein offenes politisches Klima. Doch während andere arabische Länder den Frühling erleben, herrscht hier wieder tiefer Winter. Heute ist Bahrain ein Polizeistaat, in dem das mehrheitlich schiitische Volk die Macht des sunnitischen König fürchtet.
"Allahu akbar" - Gott ist groß. Im Mondschein hallt dieser Ruf über die Dächer in Bahrains schiitischen Dörfern - längst ein tägliches Ritual, die einzige Form des Widerstands, die den Menschen noch geblieben ist. Der Arabische Frühling - in Bahrain ist er längst einem tiefen Winter gewichen. Einst war Bahrain für sein recht offenes politisches Klima bekannt, für seine lebhafte Zivilgesellschaft, für seine Jahrzehnte alte Gewerkschaftsbewegung.
Heute ist das Land ein brutaler Polizeistaat. Es regiert die Angst, sagt Nabil Rajab, ein Menschenrechtler: "Ärzte wurden verfolgt, Krankenschwestern, Lehrer, Gewerkschafter, Menschenrechtsaktivisten, Blogger, Journalisten, Anwälte - alle, weil sie bei dem Aufstand mitgemacht oder mit ihm sympathisiert hatten. Schülerinnen waren eine treibende Kraft, deshalb wurden viele festgenommen und einige systematisch gefoltert, Lehrer auch. Es gibt Fälle sexueller Gewalt, auch gegen Schüler, aber vor allem gegen Schülerinnen."
Mehr als 2000 Menschen wurden entlassen, etwa 1000 inhaftiert. Es gibt mindestens 30 Tote - und das bei noch nicht einmal 600.000 Bahrainis. "Ihr habt viele Menschen getötet - prozentual mehr, als in Tunesien, Ägypten oder Syrien getötet wurden. Auf je 1000 Bürger kommen zwei politische Häftlinge - mehr als irgendwo sonst auf der Welt", klagt Rajab die Regierung an...
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Die arabische Demokratiebewegung dankt der Mowag! Viele Radpanzer der Mowag waren an der Niederschlagung des Aufstandes in Bahrain beteiligt.
- Danke an die Geschäftsführer der Mowag !!!
- Danke an die Angestellten der Mowag !!!
- Danke an die Arbeiter(innen) der Mowag !!!
- Danke an die Lokalpolitiker, die Presse, die Gewerkschafter, die Pfarrer... die zum Thema "Mowag" in den vergangenen Jahren geschwiegen haben.
Unsere Forderung an die Firma MOWAG: Stellen Sie unverzüglich um auf zivile Produkte! Keine Rüstungsproduktion - weder am Bodensee, noch irgendwo sonst!
