Deutschland will Saudi-Arabien Leopard Typ 2A7+ liefern.

Dieser Typ 2A7+ wurde speziell für den Kampf in Städten (MOUT) entwickelt, also für den Kampf gegen Aufständische.  Aus Konstanz kommt der Bordcomputer CENTURION für den Leopard 2. Die demokratische Opposition in Saudi-Arabien dankt schon jetzt ganz herzlich den Angestellten der Firma ATM-Computer in Konstanz für deren Unterstützung. Die Liste der Zulieferer steht im  Leopard-2-Report  der Organisation "facing finance". Foto: Redner auf dem Ostermarsch Konstanz 2013.


In dem KMW-Werbevideo (siehe unten) sieht man bei 4:03 einen ATM-Bord-Computer in einem Militärfahrzeug im Einsatz. Die Abkürzung C4I wird hier erklärt.


Wenn sie hier klicken, öffnet sich die entsprechende Seite der englische ATM-Homepage.  
Die ARD-Tagesschau am 5.7.2011 zum selben Thema hier.

die Internetzeitung SEEMOZ aus Konstanz berichtet am 7.7.2011 über dieses Geschäft.


Leopard 2 PSO = 2A7+

Eine der modernsten Varianten des Leopard 2 stellt der Leopard 2 PSO (Peace Support Operations) dar. Anfangs von KMW als eigenes Angebot für Einsätze im Ortskampf, sogenannte MOUT-Einsätze (Military Operations in Urban Terrain, also für den Häuserkampf) entwickelt, wurde der PSO seit dem Bekunden des Interesses durch die Bundeswehr in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungszentrum Panzertruppen in Munster erprobt und verbessert.

Als Basis dient die Wanne des Präsentationspanzer Demo 2 sowie ein Turm des Leopard 2A5. Der Demonstrator wurde mit einem Minenschutz ausgestattet und einer zusätzlichen passiven Rundumpanzerung versehen. Als Bewaffnung verfügt er über die Glattrohrkanone L/44 und über eine ferngesteuerte Waffenstation mit ungekühltem Wärmebildgerät auf dem hinteren Turmdach. KMW verwendete 2002 die Autonome Waffen- und Beobachtungsstation (AWBS) aus dem WE-Programm der Schweiz, die jedoch in Bezug auf die Bewaffnung eingeschränkt war und durch die ungepanzerte FLW 200 mit Zeiss-Sensorbox ersetzt wurde. Gegenüber der AWBS ist die Waffenstation leichter, flexibler in der Waffenaufnahme (für 5,56-mm- bis 12,7-mm-MG oder die 40-mm-Granatmaschinenwaffe) und verfügt über einen größeren Höhenrichtbereich.

Für Hindernisse und Barrikaden wurde der Kampfpanzer mit einem Räumschild ausgestattet. Der aus ziviler Produktion stammende Schild entspricht in der Bauweise einem Schneepflug mit Schwimmstellung und dient nur zum Räumen.

Um in allen Klimazonen, bei jeder Witterung und auch bei Nacht voll einsatzfähig zu sein, sind verbesserte Klimaanlagen („Kampfraumkühlanlage“), eine stärkere Stromversorgung und ein 360-Grad-Kamerasystem (MiniSight von Carl Zeiss Optronics) zur Rundumsicht integriert – mit Wärmebildgerät und Tagsicht für Einsätze in der Nacht oder bei widrigen Wetterverhältnissen. Da der Panzer im Orts- und Häuserkampf eng mit der Infanterie zusammenarbeitet und diese bei ihren Aufgaben unterstützen soll, befindet sich eine von außen zugängliche Kommunikationsplattform am Panzer, um der Infanterie sowohl die Kommunikation mit der Panzerbesatzung als auch die Kommunikation der Soldaten untereinander zu ermöglichen.

Zur Rüstungsmesse Eurosatory 2010 präsentierte KMW ihre endgültige Modifikation unter der Bezeichnung Leopard 2A7+ und mit dem Werbeaufdruck; Entwickelt von KMW – getestet und abgenommen vom deutschen Bundesverteidigungsministerium (developed by KMW – tested and qualified by German MoD). Die Ausstattung des 2A7+ wurde um ein Nachtfahrsystem kombiniert aus Restlichtverstärker und Wärmebildgerät (VIRTUS von Carl Zeiss Optronics) für den Fahrer und ein neues aus dem Schützenpanzer Puma abgeleitetes Kommandantenperiskop PERI RTWL ergänzt. Als Bordkanone wählte man die L/55, um die Duellfähigkeit des Kampfpanzers im symmetrischen Gefecht zu erhalten.


SPIEGEL ONLINE vom 02. Juli 2011

Deutschland will Saudi-Arabien Kampfpanzer liefern

Mitten im arabischen Frühling will Deutschland Hightech-Waffen an ein undemokratisches Regime der Region liefern. Nach SPIEGEL-Informationen hat Saudi-Arabien Interesse an bis zu 200 "Leopard"-Kampfpanzern. Mit einem Verkauf würde die Bundesrepublik ihre jahrzehntelange zurückhaltende Position aufgeben.

Berlin - Deutschland ist bereit, moderne "Leopard"-Kampfpanzer an Saudi-Arabien zu liefern. Damit ändert die Bundesregierung ihre jahrzehntealte Linie, dem autoritär geführten Königreich keine schweren Waffen zu liefern.

Nach Informationen des SPIEGEL billigte der Bundessicherheitsrat - in dem unter anderem die Kanzlerin, der Verteidigungs- und der Außenminister sitzen - in der vergangenen Woche grundsätzlich den Export. Die Saudis haben Interesse an mehr als 200 Stück auf Basis der modernsten "Leopard"-Variante, dem Typ 2A7+.

Die deutsche Rüstungsindustrie - neben der Münchner Panzerschmiede Krauss-Maffei Wegmann [ATM ist eine Tochter vom KMW] der zweite große Landsystemhersteller Rheinmetall und zahlreiche Zulieferunternehmen - erhofft sich ein Milliardengeschäft, da die Saudis neugebaute Panzer wollen und keine gebrauchten.

Saudi-arabisches Militär schlug Aufstände in Bahrain nieder

Riad hatte zunächst mit Spanien verhandelt, wo das zu einem US-Rüstungskonzern gehörende Unternehmen Santa Bárbara "Leopard"-Panzer in Lizenz herstellte. Inzwischen zeichnet sich jedoch ab, dass ein Großteil der Fahrzeuge aus Deutschland kommen wird.

In den vergangenen Jahrzehnten hatten die verschiedenen Bundesregierungen den Wunsch Riads nach dem "Leo" immer mit dem Hinweis auf eine Gefährdung Israels abgelehnt. Dem hochtechnisierten Israel gilt jedoch eine saudische Panzertruppe mittlerweile nicht mehr als Gefahr.

Friedlich war das Königreich zuletzt dennoch nicht aufgetreten: Der arabische Frühling in Bahrain war mit Hilfe saudischen Militärs blutig niedergeschlagen worden.

In einem YouTube-Video, das einen Prototyp des neuen Panzermodells 2A7+ zeigen soll, erklärt ein Sprecher, der Kampfpanzer sei besonders geeignet, um Demonstranten einzuschüchtern und Barrikaden aus dem Weg zu räumen (SPIEGEL ONLINE konnte die Herkunft nicht überprüfen).

Der "Leopard" ist nur einer von vielen Exportschlagern der deutschen Rüstungsindustrie - und die Bundesregierung unterstützt die Hersteller kräftig beim Vertrieb ihres Kriegsgeräts in alle Welt: 126 Kampfjets etwa will Indien für elf Milliarden Euro erwerben.

Deutschland ist drittgrößter Waffenhändler der Welt

Im vergangenen Herbst machten Außenminister Guido Westerwelle und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (beide FDP) Werbung für den Kauf von "Eurofighter"-Flugzeugen. Auch der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) machte sich im Februar noch für einen Deal mit Indien stark. Auch das hochverschuldete Griechenland kauft gerne Waffen made in Germany, zum Beispiel topmoderne U-Boote oder "Leopard"-Kampfpanzer. Seit einigen Jahren denkt Athen auch über "Eurofighter" nach.

In Deutschland arbeiten rund 80.000 Menschen für die Rüstung. Doch nicht nur die Konzerne, auch die Bundeswehr selbst mischt immer mehr im internationalen Waffengeschäft mit, verkauft etwa Panzer aus Altbeständen.

Wichtigste Abnehmer für deutsche Rüstung waren in den Jahren 2006 bis 2010 laut Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri:

  • Griechenland (mit einem Anteil von 15 Prozent),
  • Südafrika (elf Prozent),
  • Türkei (zehn Prozent),
  • Südkorea (neun Prozent), und
  • Malaysia (sieben Prozent).

Laut Sipri ist Deutschland in den Jahren von 1998 bis 2009 vom fünften auf den dritten Platz im internationalen Rüstungshandel vorgerückt - obwohl die rot-grüne Bundesregierung im Januar 2000 neue "politische Grundsätze" für den Waffenexport erlassen hatte. In den Grundätzen hieß es plakativ, man wolle die "Rüstungsexportpolitik restriktiv" gestalten.

Trotzdem hat sich der deutsche Export in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, der Weltmarktanteil der Deutschen stieg für den Zeitraum 2006 bis 2010 auf rund elf Prozent - darunter viele Rüstungsgeschäfte, die noch von der rot-grünen Bundesregierung durchgewinkt wurden. Nur Amerikaner (30 Prozent) und Russen (23 Prozent) exportieren mehr.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels erweckte die Überschrift den Eindruck, Deutschland verkaufe Saudi-Arabien 200 Kampfpanzer. Das Geschäft ist allerdings noch nicht besiegelt. Wir haben den Text entsprechend geändert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Autor: cht/sef

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,771989,00.html


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