Ein Plädoyer gegen die Scheinheiligkeit...

Quelle: seemoz, Freitag 17. August 2012

…im Umgang mit der Rüstungsindustrie in der Bodenseeregion: Alexander Schmidt, Student an der Uni Konstanz und dort Mitglied im Arbeitskreis Zivilklausel, hat letzte Woche beim Stopp der Friedensradler der Deutschen Friedensgesellschaft im Konstanzer Hafen eine bemerkenswerte Rede gehalten. Er fordert von uns eine selbstbewusste Zivilgesellschaft, die Rüstungsaktivitäten kritisch hinterfragt. Und gemeint sind auch Professoren der Konstanzer Hochschulen und Studienräte an Konstanzer Schulen.

„Liebe Bürgerinnen und Bürger von Konstanz!

Rüstungsindustrie und Kriegsproduktion sind nicht nur ein Problem des Nordufers – Friedrichshafen, Immenstaad oder Überlingen -, sondern der ganzen Bodenseeregion. Rüstungsbetriebe sind auch in Konstanz aktiv, allerdings eher unsichtbar und doch ebenso gefährlich.

Die Uni Konstanz schloss vor gut einem Jahr einen Kooperationsvertrag mit EADS und beschäftigt Professoren, die mit EADS zusammengearbeitet haben. Die HTWG ist noch viel enger mit EADS, ZF und Tognum verstrickt. Man verrichtet dort widerstandslos Auftragsforschung und unterhält gemeinsame Labors. Zuletzt machte auch die Zusammenarbeit vom Ellenrieder-Gymansium mit EADS-Cassidian Schlagzeilen. Cassidian organisiert Betriebsführungen und Schulpraktika für die minderjährigen Schüler und wird in Zukunft ganze Unterrichtseinheiten gestalten dürfen.

All diese Kooperationen sind politisch gewollt. Auch die Konstanzer Schulverwaltung machte erheblich Druck auf die Schuldirektoren, solche umstrittenen Bildungspartnerschaften abzuschließen. Doch wozu das alles ?

Diese Rüstungskonzerne sichern sich so den Ingenieursnachwuchs, dem schon in der Schule verlernt wird, kritisch nachzufragen. Besonders EADS ist hier vor Ort aktiv, um so sich stärker in der Zivilgesellschaft zu verankern; sich rein zu waschen von dem Leid, dass deren Waffen anrichtet. Dagegen müsst ihr Konstanzer klare Kante zeigen! Die Rüstungskonzerne wollen sich als verlässliche Arbeitsgeber und interessante Hightech-Konzerne stilisieren und den Zweck ihrer Produkte vergessen machen.

Beide Hochschulen profitieren durch finanzielle Unterstützung und hausieren mit ihren Connections zur lokalen Industrie. Berechtigte Bedenken gegen Rüstungsforschung werden vom Tisch gewischt – HTWG-Präsident Händel stellt sich als ehemaliger Zivildienstleistender ein staatlich geprüftes Gewissen aus und bezeichnet die ganze Debatte um Kriegsgüterforschung als scheinheilig. Auch die Leitung der Uni Konstanz ignoriert die gültige und vorbildliche Selbstverpflichtung der Universität, keine Rüstungsforschung durchzuführen um des Geldes wegen.

Wir Ehrenamtlichen von der Uni-Studierendenvertretung kämpfen hartnäckig gegen diese Scheinheiligkeit. Und dafür brauchen wir Eure Hilfe! Wir brauchen ein unabhängiges und gut finanziertes Bildungssystem, das nicht der Profitgier in die Arme getrieben wird. Wir brauchen Fachkräfte und Wissenschaftlerinnen, die kritisch hinterfragen und sich der Auswirkungen Ihrer Entwicklungen und Forschungsprojekte bewusst sind. Und wir brauchen Konzepte zur Konversion von Rüstungsbetrieben.

Echter Frieden braucht eine selbstbewusste Zivilgesellschaft!

Vielen Dank!“



Aktuell: Rüstungsgegner spenden für Syrien-Kriegsopfer: Die Wunden heilen helfen, die auch deutsche Waffen und Rüstungsgüter im Syrienkrieg Menschen zufügen, war das Motiv für eine 4-stellige Euro-Spende von Mitgliedern des Vereins "Keine Waffen vom Bodensee (KWvB)e.V.", an Dr. Adnan Wahhoud aus Lindau... (weiter)

Postkartenidylle

Der Bodensee ist schön, und so denkt kaum jemand an die Opfer. Man sieht die Toten nicht. Man hört die Schreie der Verletzten nicht.

In einem alten Buch steht: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Weiter