FAZ 11.01.2013: "Die Bundeswehr ließ von Cassidian in Manching, Ulm und Friedrichshafen eine spezielle Sensorik entwickeln."
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TAZ, 11.01.2013, Drohnen-Testflug über Deutschland

Größer als ein Passagierflugzeug

In Oberbayern startete der Testflug von Europas größter Drohne. Das unbemannte Flugzeug kann mittels Sensoren Radarstrahler und Kommunikationssender aufspüren.

MANCHING, Europas größte Drohne ist am Freitag im oberbayerischen Manching zu ihrem ersten Testflug über Deutschland gestartet. Der Prototyp der Aufklärungsdrohne EuroHawk hat eine Spannweite von 40 Metern und ist damit größer als ein Passagierflugzeug vom Typ Airbus A320, wie das Unternehmen Cassidian mitteilte.

Das unbemannte Flugzeug kann mittels Sensoren Radarstrahler und Kommunikationssender aufspüren. Es kann elektromagnetische Signale erkennen, aufzeichnen, identifizieren und auswerten. Neben der Testflugzeug will die Bundeswehr ab 2015 vier weiteren Drohnen kaufen.

Das 14,5 Meter lange Flugsystem wird vom Boden aus gesteuert und kann mehr als 30 Stunden lang fliegen. Der Testflug erfolgte in einem zeitweise reserviertem Luftraum auf einer Fläche von 30.000 Quadratkilometern. Die Drohne kam auf eine Flughöhe von 15.000 Meter und flog damit höher als normale Passagierflugzeuge.

Cassidian ist eine Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Ihr größter Auftraggeber ist nach eigenen Angaben die Bundeswehr. Das Militärische Luftfahrtzentrum des Unternehmens liegt in Manching.

Dort werden sämtliche militärischen Flugzeuge der Bundeswehr gewartet und betreut sowie alle Eurofighter Kampflugzeuge der Bundeswehr endmontiert. Zudem werden dort unbemannte Flugzeuge erforscht und entwickelt.


3.10.2011: Cassidian und Northrop Grumman präsentieren ersten Euro Hawk für die Bundeswehr (Quelle)

Das erste unbemannte Flugsystem (Unmanned Aerial System – UAS) vom Typ  EURO HAWK wurde während einer Roll-Out-Zeremonie in Manching vor Regierungsvertretern und Medien präsentiert. Das UAS ist mit einem Missionssystem zur Signalaufklärung (SIGnals INTelligence – SIGINT) ausgerüstet. Das unbemannte Luftfahrzeug war am 21. Juli 2011 nach einem Nonstop-Überführungsflug von der kalifornischen Edwards Air Force Base in Manching gelandet. Nach seiner Ankunft wurde das UAS mit dem von Cassidian entwickelten Missionssystem ISIS (Integrated Signals Intelligence System) ausgerüstet.

Die Flugerprobung wird im Jahr 2012 anlaufen. Der  EURO HAWK  ist die erste international konfigurierte Version des hochfliegenden unbemannten Flugsystems mit großer Reichweite (High Altitude Long Endurance - HALE) RQ-4 Global Hawk. Das  EURO HAWK-System soll 2012 an die deutsche Luftwaffe und das Kommando Strategische Aufklärung (KSA) ausgeliefert werden. Die Auslieferung von vier weiteren Systemen soll zwischen 2015 und 2016 erfolgen.

Der CEO von Cassidian, Dr. Stefan Zoller, erklärte: „Der heutige Roll-Out des  EURO HAWK  markiert für die Bundeswehr einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zur Beschaffung einer hochleistungsfähigen SIGINT-Fähigkeit.“ Zoller fügte hinzu: „Der  EURO HAWK  ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die transatlantische Kooperation im Verteidigungsbereich und die enge Beziehung zu unserem Kunden. Wir freuen uns sehr, der Bundeswehr den ersten  EURO HAWK  zu liefern, der mit einem voll integrierten SIGINT-System zur Fernmelde- und Radaraufklärung (Electronic Intelligence – ELINT und Communications Intelligence – COMINT) ausgerüstet ist. Dies beweist unsere Fähigkeiten zur Systemintegration von unbemannten Luftfahrzeugen." Das UAS-System basiert auf hochmodernen Technologien und wurde von Cassidian maßgeschneidert für die spezifischen Anforderungen der Bundeswehr entwickelt.

Gary Ervin, Corporate Vice President von Northrop Grumman und President von Northrop Grumman Aerospace Systems, betonte: „Heute sind wir der Auslieferung des ersten  EURO HAWK  an die Bundeswehr einen Schritt näher gekommen. In Zeiten knapper Budgets können multinationale Gemeinschaftsentwicklungen wie diese einzelnen Staaten großen Nutzen bringen und ihre Truppen im Einsatz effektiv unterstützen. Wir sind stolz, Teil des  Euro Hawk-Teams zu sein.“ Er ließ es sich auch nicht nehmen, zum Schluss seiner Ausführungen auf Deutsch zu versichern: „Danke an das Team für den ausgezeichneten Job."

Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium Stéphane Beemelmans war wegen seines vollen Terminkalenders erst während der Vorträge seiner Vorredner in die Flugwerft gekommen. Er lobte die großen Fortschritte, die mit dem Programm erreicht werden, beispielsweise sei nun das erste große unbemannte Flugzeug in Europa einsetzbar. „Der Euro Hawk ist einmalig in Europa und ich darf – auch im Namen der Luftwaffe – unsere Vorfreude unterstreichen. Wir freuen uns auch über die 100 Arbeitsplätze in der Industrie, die durch dieses Programm geschaffen werden konnten,“ versicherte der Staatssekretär und erklärte: „Ich wünsche uns allen und vor allem diesem ‚Vogel‘ many happy landings.“


Neset Tükenmez, Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens EuroHawk GmbH, erklärte: „Der  EURO HAWK  läutet in Europa eine neue Ära der strategischen Aufklärung ein. Die Bundeswehr wird schon bald in der Lage sein, ihren nationalen Bedarf an Erfassung und Auswertung von SIGINT-Daten unabhängig abzudecken und damit künftig einen wertvollen Beitrag zu den Missionen der NATO, der Europäischen Union und der Vereinten Nationen zu leisten. Die Erfolgsgeschichte des EURO HAWK  wird sich mit der ISIS-Flugerprobung und der Übergabe an die Bundeswehr im Jahr 2012 fortsetzen.“

EuroHawk Programm Update: Warten auf die nächsten vier UAS

James Kohn, Euro Hawk Programm Director, Northrop Grumman, und Markus Heller, Euro Hawk Programm Direktor Cassidian sowie Rüdiger Knöpfel, BWB gab der internationalen Fachpresse aus Anlaß des Roll Out einen Überblick zum Programmstand. James Kohn betonte: „Die Euro Hawk Formel besteht aus der modifizierten RQ-4B Global Hawk mit eigenen Anschlüssen für Europa, Cassidian liefert das SIGINT Missions System und ISIS - das macht zusammen den RQ-4E Euro Hawk.“

James Kohn, Northrop GrummanDurch die bisherigen Verträge, beginnend 2007 mit der Risikobewertungsphase, und seit 2009 mit den Verträgen für den Programmaufbau, inklusive Training der Piloten und der Serviceleute bei der US-Luftwaffe wurde der Meilenstein des Roll Out erreicht. Ab 2012 soll ein neuer Vertrag für die Betriebsphase, Erweiterung um vier weitere Systeme und einen weiteren Satz der Bodenausrüstung nach Zustimmung durch das Parlament abgeschlossen werden.

Die Infrastruktur in Deutschland besteht aus der Entwicklung in Immenstadt am Bodensee, ISIS Entwicklung in Ulm, Integration und Testcenter in Manching mit einem komplett neuen Hangar 213, der ‚Otto-Lilienthal Werft‘, bei dem die ISIS Programmteile noch speziell abgeschirmt sind. Später erfolgt die Verlegung nach Jagel, wo ebenfalls ein neuer, schon betriebsfähiger Hangar errichtet wurde. Jagel ist damit der Einsatzort der Flugsysteme während die Aufklärungsfunktion in Niendorf angesiedelt wird beim Kommando Strategische Aufklärung. Markus Heller unterstrich: „Alle Standorte sind heute fertig für den Einsatz“

Der Erste EuroHawk hatte seinen Roll Out in 2009, die Flugtests erfolgten bis zum Juli 2011, dann kam der Flug 12 als Überführungsflug nach Manching. Dabei gab es den Wunsch der FAA, die Route über die USA auf den Pazifik zu verlegen und damit den amerikanischen Flugraum schnellstmöglich zu verlassen. Über Kanada wurde der Kontinent überquert, dann über den Atlantik bis Manching. Heute wurden mit dem Flugzeug in 12 Flügen 131 Flugstunden erreicht.

Das ISIS Missionssystem war in den letzten Schritten der Entwicklung, jetzt wurden alle Systeme zum ersten Mal installiert und die komplette Lösung im Flugzeug montiert. Die nächsten Schritte sind: Fortsetzung der Integrationsphase, deren viele Tests mit dem ersten Sensor Flug im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden. Die weitgehend in Manching geplante Flugtestphase endet mit der Übergabe nach dem Transfer nach Schleswig Holstein, die im 3.Quartal in 2012 erwartet wird.

Damit fasste Markus Heller [Cassidian] zusammen: „EuroHawk schließt jetzt die strategische SIGINT Lücke. Dazu ist das Programm ein gutes Beispiel für erfolgreiche transatlantische Zusammenarbeit.“ Für Northrop Grumman ergänzt James Kohn: „Viel nehmen das Thema Transatlantik als Verkaufsargument. Wir können aber in der tagtäglichen Zusammenarbeit zeigen, wie gut wir zusammenarbeiten.“ Damit ist die Schlußbotschaft Hellers: „Wir sind fertig für die Testphase, um das Flugzeug im nächsten Jahr an die Kunden zu übergeben.“

Das deutsche Verteidigungsministerium hatte im Januar 2007 der EuroHawk GmbH einen Auftrag für die Entwicklung, Erprobung und Unterstützung des UAS-Demonstrators (Full Scale Demonstrator) erteilt. Im Rahmen dieses Vertrages wird die EuroHawk GmbH den Demonstrator, die kompletten Flugzeug- und ISIS-Missionsbodensegmente und die von der Bundeswehr benötigten Modifikationen am Flugzeug sowie Flugtest- und Logistiksupport liefern.

Der  Euro Hawk ist mit einer Flugdauer von bis zu 30 Stunden, einer Maximalflughöhe von über 60.000 Fuß (rund 18 Kilometer) und einer größeren Spannweite als ein Verkehrsflugzeug ein interoperabler, modularer und kosteneffizienter Ersatz für die bemannten Aufklärungsflugzeuge vom Typ Breguet Atlantic, die seit 1972 betrieben und 2010 offiziell außer Dienst gestellt wurden.

Die EuroHawk GmbH, die von Northrop Grumman und Cassidian als Joint Venture mit gleicher Beteiligung (50% - 50%) gegründet wurde, ist für die Entwicklung und Fertigung der  EURO HAWK -Systeme verantwortlich und agiert gegenüber dem deutschen Verteidigungsministerium als nationaler Generalauftragnehmer während der gesamten Nutzungsdauer des Systems.

13.10.2011 Quelle EADS Aerobrief 37/2011


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Postkartenidylle

Der Bodensee ist schön, und so denkt kaum jemand an die Opfer. Man sieht die Toten nicht. Man hört die Schreie der Verletzten nicht.

In einem alten Buch steht: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Weiter