2014-08-05 Südkurier, von Torsten Lucht. Foto: Heinrich Schuster, Angelika Schulz und Ruppert Eberhard an ihrem Infostand auf dem Moustelonplatz. Ihre Erfahrung: Beim Thema Krieg und Frieden schauen viele Menschen weg. Bild: tol

Radolfzell - Niemand will Krieg – aber wer tut etwas für den Frieden? Eine Beobachtung am Rande eines Infostands auf dem Moustelonplatz

Um die Mittagszeit wirkten sie wie ein Häuflein Aufrechter, die mühsam ein Zeichen gegen die allgemeine Gleichgültigkeit setzen wollen: Heinrich Schuster von der Aktion „Keine Waffen vom Bodensee“, sein Unterstützer Ruppert Eberhard und Angelika Schulz vom Friedensgebet Radolfzell versuchten auf dem Moustelon-Platz mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Anlass war der 100ste Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges. Wenn dem Trio die Ansprache gelang, dann war das Ergebnis manches Mal frustrierend. Die Friedensbewegten mussten sich immer wieder anhören, dass es bei Waffenproduktion und -export auch um Arbeitsplätze geht. Andere winkten ab: Entweder will man sich mit dem Thema nicht beschäftigen oder man sieht keine Chance, als Einzelner etwas bewirken zu können.

Akzeptieren mochten die drei Friedenskämpfer diese Argumente freilich nicht. „Waffen sind nicht nötig und haben noch nie zum Frieden geführt“, meint Angelika Schulz. Sie hielte es für sinnvoll, wenn das Geld statt für Waffen zum Beispiel für Schulen und den Aufbau gewaltfreier Strukturen eingesetzt würde. Heinrich Schuster sieht in der benachbarten Skulptur von Peter Lenk immerhin ein Zeichen, mit dem auf die Teilhabe der Region am globalen Waffengeschäft hingewiesen wird.

So zäh die Aktion auch zu laufen schien – am Ende kam doch ein bezifferbares Ergebnis zustande. Im Rahmen einer Postkartenaktion gab es an dem Infostand „die Möglichkeit, einer Politik zu widersprechen, die viel zu wenig für den Ausbau der zivilen Konfliktbearbeitung und einer gerechten Weltordnung tut und stattdessen Militäreinsätze ausweiten will“. Hier war der Zuspruch nach Angaben der Initiative am größten, so dass die 70 Postkarten vorzeitig vergriffen waren. Sehen lassen kann

sich auch das Ergebnis der Ortsgruppe von terre des hommes, die am Nachbarstand im Rahmen einer Aktion gegen Kindersoldaten 119 rote Handabdrucke sammeln konnte. Sie sollen zusammen mit einem Brief dem Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU) übergeben werden.


Aktuell: Rüstungsgegner spenden für Syrien-Kriegsopfer: Die Wunden heilen helfen, die auch deutsche Waffen und Rüstungsgüter im Syrienkrieg Menschen zufügen, war das Motiv für eine 4-stellige Euro-Spende von Mitgliedern des Vereins "Keine Waffen vom Bodensee (KWvB)e.V.", an Dr. Adnan Wahhoud aus Lindau... (weiter)

Postkartenidylle

Der Bodensee ist schön, und so denkt kaum jemand an die Opfer. Man sieht die Toten nicht. Man hört die Schreie der Verletzten nicht.

In einem alten Buch steht: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Weiter