Friedrichshafen - eine tragische Geschichte
Wegen der Rüstungsindustrie wurde Friedrichshafen von den Alliierten völlig zerstört. Der schwerste Luftangriff geschah am 28. April 1944. Hat Friedrichshafen etwas daraus gelernt?



Diese Bilder zeigen, welche Folgen die Rüstungsproduktion in Friedrichshafen das letzte Mal hatte. Hat die Bibel vielleicht doch einmal Recht? Bei Matthäus Kapitel 26, Vers 52 steht: "Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen."
Aufarbeitung der Vergangenheit: gut bis befriedigend (Note 2-3).

Heute ist Friedrichshafen wieder eine Rüstungsstadt. Diese Stadt hat nichts dazu gelernt.
Aufarbeitung der Gegenwart: mangelhaft bis ungenügend (Note 5-6).

Friedrichshafen und der ganze Bodenseekreis ist wieder im Griff der Rüstungsindustrie. Auch die Schulen (GZG, KMG, CDS, EGK) sowie die Uni Konstanz und die Duale HS Friedrichhsafen nehmen die Sach- und Dienstleistungen des Rüstungskonzerns EADS gerne an. Eine ganze Region im Griff der Rüstungsindustrie: hier eine Karikatur, die das Problem verdeutlicht. Foto: Anzeige der Firma EADS-Cassidian im SÜDKURIER am 15.01.2011, Sonderveröffentlichung Stadtjubiläum.

Oberbürgermeister Andreas Brand ist offizieller "Bürgermeister des Friedens": mayors for peace.
Handelt er entsprechend? Hilft er beim Umbau der MTU in eine zivile Firma?
Das Seehasenfest 2013 steht unter dem Motto "Der Seehas baut Motoren für Panzer und Kriegsschiffe". Das ist unser Vorschlag. Die Schulklassen könnten dieses Motto wie folgt gestalten: Eine Klasse trägt Fotos vom chinesischen Kapmpfpanzer ZTZ 99 vor sich her. Eine andere Klasse trägt Bilder des Indischen Kampfpanzers Arjun vor sich her. Eine dritte Klasse trägt Bilder des in Thailand fahrenden ukrainischen Radpanzers BTR-3E vor sich her. Eine vierte Klasse trägt ein Bild des israelischen atomwaffenfähigen U-Bootes vor sich her. Eine fünfte Klasse trägt das Bild des Leopard-2-Panzers vor sich her. All diese Waffen fahren mit MTU-Motoren. Und noch viele mehr!
Der Geist des Grafen lebt weiter
[Leserbrief in der Schwäbischen Zeitung am Samstag, 16.03.2013, auf den Artikel „Erinnerung ohne Pathos, aber in Dankbarkeit“ über die Kranzniederlegung am Todestag des Grafen Zeppelin, Schwäbische Zeitung vom 9.3.2013]
Leider, leider Gottes könnte er wohl wahr sein – dieser Satz, den Sie zu Beginn Ihres Artikels zitieren. „Der Geist des Grafen lebt weiter.“ Welcher Geist aber hat ihn bewegt? Sein ganzes Leben war doch ganz eng mit dem Militär verbunden, mit dem Erlernen der Kriegskunst, mit der Durchführung von Kriegen und der Bereitstellung der technischen Mittel dafür. Es war doch sein erstes Ziel „seinem kaiserlichen Herrn eine neuartige Waffe zu liefern, die entscheidend in den kommenden Kriegen sein könnte“ (Stadt Friedrichshafen: Seehasenfest Festzugsflyer 2012)“ Wir alle wissen, wie verheerend diese Kriege dann kamen. Und wir wissen auch, wie intensiv in Friedrichhafen für diese Kriege gearbeitet wurde. Seine einzige Tochter „tauft“ einen Monat, nachdem in Deutschland alle Synagogen brannten, das größte einzelne Rüstungsprojekt der Nationalsozialisten (ein nie fertig gebauter Flugzeugträger) auf seinen Namen.
Wie stand seine Tochter dazu? Wirkte sein Geist auch in dieser Handlung der Tochter weiter? Eigentlich wäre dies ja nur ganz folgerichtig, denn der „kaiserliche Herr“ jener Zeit war nun eben der Führer Adolf Hitler. Und gibt es womöglich solche „kaiserlichen Herren“ auch in unserer Zeit? Mit welchen Namen bezeichnen wir sie heute? Sind sie gar Herren ferner Länder, die sich über neuartige Waffen freuen, die entscheidend in kommenden Kriegen sein könnten?
Meine Erinnerung ist auch ohne Pathos, aber auch ohne Dankbarkeit hinsichtlich der vorrangigen Zielsetzung der technischen Leistung des Grafen Zeppelin.
Klaus Friedrich, Friedrichshafen
