Werbung in der Zeitschrift "Europäische Sicherheit und Technik" 6/2012, Seite 21:


MTU-Motoren für ukrainische Radpanzer, die nach Thailand geliefert wurden. So werden Exportkontrollen umgangen!

Es geht um 121 MTU-Motoren für die Radpanzer BTR-3E1. Diese Radpanzer werden im ukrainischen Rüstungsbetrieb KMDB (http://www.morozov.com.ua/) gebaut und in den Jahren 2011 und 2012 nach Thailand geliefert.

Die internationale Waffenzeitung "Jane’s Defence Weekly" schreibt am 8.9.2010: Thailand hat die Motoren von Deutz (BF6M1015) gegen Motoren von MTU (6R 106 TD21) ausgetauscht, weil diese einfacher zu beschaffen wären. Orginaltext hier und hier.

MTU schreibt auf der eigenen Firmenhomepage: Diese Motoren sind besonders geeignet "für gepanzerte Ketten- oder Radfahrzeuge”. Auf einer anderen MTU-Website steht: Diese Motoren sind "For Light Military Vehicles" (für leichte Militärfahrzeuge).


Aus einer undichten Stelle bei MTU haben wir folgendes erfahren:

Diese Motoren wurden bei Daimler-Benz in Mannheim gebaut und dann bei MTU in Friedrichshafen aufgeladen. Einen Motor "aufladen" heißt, ihn mit einem Abgasturbolader auszurüsten, siehe Wikipedia. Diese Motoren wurden in Friedrichshafen für die geforderten höheren Leistungen mit Turboladern ausgerüstet. Der Motor wurde in Friedrichshafen für seinen Einsatz in den ukrainischen Radpanzern angepasst, geprüft, zugelassen, zertifiziert und olivgrün lackiert. Dokumentationen nach dem MIL-STD wurden durchgeführt.

Die thailändischen Armee zeigt ihre neuen Radpanzer voll Stolz: siehe youtube-video (siehe unten). Bei Minute 3:50 sind die Motoren zu sehen. 

In Thailand wurde im Jahre 2010 mit ähnlichen Panzern die demokratische Opposition beschossen. Es gab 90 Tote und ungefähr 2.000 Verletzte.


Eine genauere Beschreibung des Motors in besserer Auflösung finden Sie hier.

Es handelt sich um die Motoren MTU 6R106TD21 S/No  "92691400851970" und MTU 6R106TD21 S/No "92691400851986".


Auskunft des "Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle" vom 05.01.2012 (BAFA): Der Dieselmotor 6R 106 verfügt über keinerlei militärspezifische Konstruktionsmerkmale und ist daher von keiner der für die Exportkontrolle relevanten Güterlisten erfasst. Dieser Motor, der von der Firma MTU unter der Typbezeichnung 6R 106 für die Ausrüstung von leichten und mittleren Militärfahrzeugen angeboten wird, ist baugleich mit dem Motor Mercedes-Benz OM 926 LA, der in Mercedes Benz LKW der Baureihe Axor und verschiedene Mercedes Benz Busse eingebaut wird.  Es handelt sich folglich nicht um einen "Militärmotor", auch wenn er möglicherweise in dem von Ihnen geschilderten Fall in einem Militärfahrzeug verbaut wurde. Mit freundlichen Grüßen / Im Auftrag ...  Referat 312 - Waffensysteme, Luft- und Landfahrzeuge, Schiffe * Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) * Frankfurter Straße 29 - 35, 65760 Eschborn * »http://www.bafa.de/«


Ausschnitt aus der Waffenzeitung Jane´s (www.janes.com) vom September 2010:


Von Mark Teufel (13.12.2010, Thailand):

„Gepanzerte Mannschaftstransportwagen“ werden sie in offiziellen Verlautbarungen genannt. In Internet-Berichten wird von „Radpanzern“ gesprochen. Gemeint sind Panzer, deren Motoren von Friedrichshafen über Umwege nach Thailand geliefert und dort gegen die demokratische Opposition eingesetzt werden. Die Tognum/MTU/EADS-Tochter ist der Lieferant. Einmal mehr bewahrheitet sich: Der Tod wird am Bodensee produziert und gewinnbringend in alle Welt exportiert.

120 neue dieser Panzer sollen jetzt zusätzlich angeschafft werden, hat das Regime in Thailand beschlossen. Panzer, die beim Massaker der Streitkräfte im April und Mai in Bangkok eine tödliche Rolle gespielt hatten. Während die deutsche Rüstungsfirma Deutz erst gar kein Angebot für die Lieferung von Motoren für die in der Ukraine produzierten Panzer abgab, waren Töchter der Friedrichshafener Firma MTU weniger zurückhaltend. Die Motoren wurden aus Friedrichshafen in die Ukraine geliefert, dort in Panzer eingebaut und nach Thailand exportiert. Während in der Ukraine keine Ausfuhrverbote bestehen, umgeht die Friedrichshafener Firma deutsche Ausfuhrbeschränkungen mit dem Hinweis, die Motoren seien nur für „gepanzerte Mannschaftstransportwagen“ und überdies nur in der Ukraine gedacht.

Thailand, das Land des Lächelns, weißer Strände und samtiger Haut – aber auch das Land immer wiederkehrender Militärcoups, Massaker und Unterdrückung. Was die wenigsten Touristen wissen, die sich in die wohlige Atmosphäre der luxuriösen Ressorts begeben, deren Gewinne in der Regel einer der 20 reichsten Familien des Landes zufließen, ist, dass im April und Mai 2010 circa 90 Demonstranten getötet und circa 2.000 Menschen schwer, teilweise für ihr Leben gezeichnet, verletzt wurden, als Soldaten mit Kriegswaffen – darunter die besagten Panzerwagen – gegen die Demonstranten vorgingen. Nur wenige Geschäftsreisende, die durch niedrigen Löhne, fehlende Gewerkschaftsaktivitäten und großzügige Steuernachlässe angelockt werden, wissen, dass Thailand mit über 130.000 gesperrten Seiten den Weltrekord im Blockieren von Internetseiten und im Ausspähen von Informationen im Internet hält.

Thailand, das zwischen 1997 und 2006 eine Periode der zunehmenden Freiheit und Demokratisierung erlebte, geriet durch einen Militärcoup im Jahr 2006 tief in die finstere Vergangenheit der 1960er Jahre zurück, als brutale und korrupte Militärdiktatoren mit eiserner Faust und der Unterstützung der USA die Menschenrechte auf gröbste Weise missachteten.

Quelle: hier (http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4678/deutsche-motoren-fur-thailandische-panzer)


Firmen ohne Moral

Wenn Firmen in Deutschland an ein solches Regime Waffen oder für Waffen verwendete Motoren verkaufen, sollte man genauer hinschauen und sich fragen, ob solche Geschäfte durch die Außenhandelsgesetze Deutschlands und der EU abgedeckt sind. Selbst wenn sie zulässig sein sollten, muss man die Frage nach der Ethik und Moral solcher Firmen stellen. Man muss fragen, ob Politiker solche Geschäfte unterstützt haben und in welcher Beziehung sie zu diesem Regime in Thailand stehen. Und da das thailändische Militär bekannt ist für allumfassende Korruption, sollte man auch prüfen, ob Anzeichen von Korruption in diesen Fällen mit dem Verhaltencodex der OECD (Code of Conduct) in Einklang stehen.

Ein schwerwiegender Fall der Lieferung von Militärgütern ist der einer Motorenlieferung für inzwischen ca. 300 gepanzerte schwere Mannschaftstransportwagen BTR-3U aus der Ukraine für Thailand. Ein Fahrzeug, das mehr Ähnlichkeiten mit einem Panzer als mit einem gepanzerten Mannschaftstransportwagen hat, da er mit einer mächtigen Bewaffnung ausgerüstet ist. Das Fahrzeug ist so schwer, dass es anders als ursprünglich von der Armee gefordert, nicht schwimmen kann. Was einer der Gründe ist, warum die thailändische Opposition der Vermutung nachgeht, dass es sich um ein massives Korruptionsgeschäft handelt.

Die erste Lieferung von 96 Fahrzeugen, damals noch wie ausgeschrieben und im Internet beworben, mit „Deutz-Motoren“ bestellt, wurde auch drei Jahre nach der Bestellung noch nicht geliefert. Schließlich verbreiteten sich Medienberichte, dass die Firma Deutz keine Motoren für die Auslieferung nach Thailand liefern würde. Die Firma Deutz wollte keine Stellungnahme abgeben, aber die Bundesregierung erklärte gegenüber der Partei “Die Linke”, dass in letzter Zeit keine Anfragen wegen eines Exportes von Militärmotoren in die Ukraine, bzw. zur Lieferung nach Thailand gestellt worden wären...

Und doch bestellte die thailändische Armee weitere 100 Radpanzer, in anderen Berichten ist von 121 Fahrzeugen die Rede. Und die thailändische Armee zauberte auch einen neuen deutschen Motorenlieferanten aus dem Hut, die Firma MTU, deren Motoren angeblich noch besser für den Panzer geeignet sein sollen als die der Firma Deutz. Wie meine Recherchen ergaben, ist der wichtigste Anteilseigner von MTU Thailand der Bruder des derzeitigen Verteidigungsministers, General Prawit Wongsuwan, der auch eine wichtige Rolle beim Militärcoup von 2006 gespielt hatte.

Wer den Namen MTU hört, sollte an die Elite der deutschen Industrie denken. Mercedes Benz, Daimler Luft- und Raumfahrt Holding, EADS. Wenn ein solches Firmenkonsortium in Waffenverkäufe an Putschisten verwickelt ist, sollte die deutsche Öffentlichkeit zweimal hinsehen.

Für Thailand besteht keinerlei äußere Bedrohung, welche die Anschaffung von einer so großen Zahl von Radpanzern rechtfertigen würde. Jedoch wurde das Verteidigungsbudget seit dem Militärcoup im Jahr 2006 mehr als verdoppelt und die „gepanzerten Mannschaftstransportwagen“ spielen eine entscheidende Rolle bei der Unterdrückung von Unruhen im Inneren. Dies – und die zunehmende Annäherung an Birma, das von seinen Diktatoren nun Myanmar genannt wird – wirft grundlegende Fragen nach Moral und Ethik von Unternehmen auf, die mit solchen Regimen kooperieren.



In den Verhaltensrichtlinien der Firma Tognum heißt es: "Die Tognum AG wendet sich gegen Diskriminierung, ausbeuterische Arbeitsbedingungen und gegen Korruption."

Die Tognum AG gehört zu 25% der Daimler AG. Und wer die Namen der Aufsichtsräte verfolgt findet sie in renommierten und illustren Firmennamen der deutschen Industrie wieder. Und natürlich führen auch personelle Verbindungen zu MTU Thailand.

Man sollte daher annehmen, dass ein solches Unternehmen welches sich sehr wohl als ein Repräsentant Deutschlands im Ausland ansehen darf, die Eigenverpflichtung und auch die gesetzlichen Verpflichtungen überaus ernst nimmt. Und zwar nicht nur in Hinsicht auf die eigenen Geschäfte, sondern auch auf die mit ihr verbundenen Unternehmen.

In Jane's Defence Weekly konnte man lesen, dass Thailand die Motoren von Deutz  ( BF6M1015 )  gegen Motoren von MTU (6R 106 TD21)  ausgetauscht hätte,  weil diese "einfacher zu beschaffen wären". Auf der Webseite von MTU-online.com heißt es über diese Motoren  "Diesel Motoren für gepanzerte Ketten- oder Radfahrzeuge / Motoren für leichte und mittelschwere Fahrzeuge"

(http://www.mtu-online.com/mtu/products/engine-program/diesel-engines-for-wheeled-and-tracked-armored-vehicles/engines-for-light-and-medium-weight-vehicles/detail/product/967)

"Mechanisierte Infanterie-Kampffahrzeuge, entweder mit Ketten oder Rädern, und Mannschaftsttransportfahrzeuge, spielen eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Panzereinheiten.  ... Unsere vierte Motorengeneration, die Serie 890, sind wieder einmal die Referenz für andere und eine technische Meisterleistung. Die Motoren stellen das Herz eines voll integrierten, leichten und kompakten Fahrsystems dar, für Fahrzeuge der Zukunft, wie PUMA oder zukünftige US- ARMY Kampfsysteme. ..." (http://www.mtu-online.com/mtu/applications/military-vehicles/infantry-fighting-vehicles-personnel-carriers/)

Auf keiner Seite konnte ich irgendeine andere Verwendung dieser Motoren beworben finden. Diese Motoren wurden nach Medienberichten an die Ukraine geliefert, um sie in gepanzerten Fahrzeugen für Thailand einzusetzen. Sofort drängen sich einige wichtige Fragen auf, Hinsichtlich der in Thailand grassierenden Korruption:

Hierbei handelt es sich nicht um Kundengeheimnisse, sondern lediglich um firmeninterne Informationen von Tognum und MTU die schnell zu einer Beseitigung vom Korruptionsverdacht führen könnten und einem transparenten Unternehmen, dass sich einer "guten Unternehmensführung" verpflichtet hat, sehr gut zu Gesicht stehen würden.

Auf meine mehrmaligen Anfrage nach Informationen über das Geschäft mit Panzermotoren, teilte mir  ein Herr Wolfgang Boller von der Presseabteilung der Firma mit: "Ihr Informationsbedürfnis kann ich verstehen. Da wir uns sowohl an Gesetze als auch an Abmachungen halten, bitte ich Sie, es uns nachzusehen, dass wir bei Militärmotoren auf Grund von Vertraulichkeitsvereinbarungen keine Auskünfte geben können."

Nach seiner Aussage handelte es sich also um "Militärmotoren", worauf ich in einem nächsten Artikel noch einmal näher zurück kommen will. Wenn die Firma Tognum sich weiter hinter ihrer Geheimhaltungsvereinbarung mit Kunden versteckt, wäre es vielleicht an der Zeit, dass Politik und Exekutive selbst diese und ähnliche Fragen stellen. Dabei sollte möglicherweise ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet werden, welche verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Anteilseignern der Firma MTU in Thailand und dem thailändischen Verteidigungsminister bestehen. Spätestens wenn MTU wieder mit US-Kunden um neue Verträge diskutieren, könnte diese Frage plötzlich virulent werden.

Darüber hinaus stellen sich jetzt viele Leser vermutlich die Frage, warum ein solcher Motor zwar von der Firma Deutz nicht geliefert wurde, aber von der Firma Tognum, die den Motor selbst als "Militärmotor" bezeichnete, ohne Probleme, wie es scheint, zur Verfügung gestellt wird.

Wie stellte sich der Preis der Motoren im Vergleich zu dem Preis dar, den andere Kunden gezahlt haben?

Wie hoch ist der Gewinn für den thailändischen Vertreter bzw. die Firma MTU in Thailand an diesem Geschäft und wer und seit wann ist Anteilseigner an dieser Firma und welche Beziehungen haben sie zu Amtsträgern in Thailand?

Wurden noch anderweitige Provisionen oder Zahlungen in Verbindung mit diesem Geschäft geleistet?

Autor: Mark Teufel, www.schoenes-thailand.de


Aktuell: Rüstungsgegner spenden für Syrien-Kriegsopfer: Die Wunden heilen helfen, die auch deutsche Waffen und Rüstungsgüter im Syrienkrieg Menschen zufügen, war das Motiv für eine 4-stellige Euro-Spende von Mitgliedern des Vereins "Keine Waffen vom Bodensee (KWvB)e.V.", an Dr. Adnan Wahhoud aus Lindau... (weiter)

Postkartenidylle

Der Bodensee ist schön, und so denkt kaum jemand an die Opfer. Man sieht die Toten nicht. Man hört die Schreie der Verletzten nicht.

In einem alten Buch steht: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Weiter