MTU Rolls-Royce Power Systems

- 2015 Umsatz und Gewinn -

Lindauer Zeitung, 3.9.2015, Seite 23: Gewinn bei Rolls-Royce schrumpft  / Erstes Halbjahr beim Häfler Motorenbauer „nicht zufriedenstellend“ / Von Gunnar M. Flotow

FRIEDRICHSHAFEN - Nicht nur die ZF Friedrichshafen hat jüngst Halbjahreszahlen veröffentlicht, sondern auch Rolls-Royce Power Systems. Während der große Automobilzulieferer sehr zufrieden (Zwischen-) Bilanz zog, sind die Zahlen beim Motorenbauer nicht so verheißungsvoll. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent geschrumpft, der Gewinn vor Steuern um 73 Prozent. Zu Zeiten der Börsennotierung war die Rolls-Royce Power Systems AG, die damals noch Tognum AG hieß, dazu verpflichtet, regelmäßig und transparent die Öffentlichkeit über die Geschäftsentwicklung zu informieren. Wer heutzutage die aktuellen Zahlen des Häfler [=Friedrichshafener] Unternehmens erfahren will, muss schon etwas recherchieren. Fündig wird, wer sich auf der Homepage der Konzernmutter Rolls-Royce über die Menüpunkte „Investors“ zu den „Financial Results“ durchklickt und anschließend „Rolls-Royce News Release“ bis auf Seite zehn durchblättert. Als Umsatz werden dort im Segment „Power Systems“ für die ersten sechs Monate 1,039 Milliarden Pfund (1,426 Milliarden Euro) ausgewiesen – und damit ein Minus von 14 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014. Der Gewinn vor Steuern ist von 62 (85) Millionen auf 17 (23,3) Millionen Pfund zusammengeschrumpft. Und was Investoren gar nicht gerne sehen: Die Umsatzrendite betrug in diesem Zeitraum nur noch magere 1,6 Prozent (1. Halbjahr 2014: 5,1 Prozent). Ein hartes Stück Arbeit Im firmeninternen Intranet äußerte sich Ulrich Dohle, Vorstandsvorsitzender der Rolls-Royce Power Systems AG, zur aktuellen Geschäftsentwicklung. „Die ... Kennzahlen ... sind nicht zufriedenstellend. Der Umsatz war stark rückläufig, weil wir weniger Behördengeschäft hatten und weniger Stromaggregate verkauft haben. Das hat auch stark aufs Ergebnis gedrückt“, ließ der Chef wissen und kündigte an, dass der für das Gesamtjahr angepeilte Umsatz und das Ergebnis geschafft werden soll. Was er dann schrieb, dürfte so mancher in der Belegschaft nicht nur als Motivation, sondern auch als Drohung verstanden haben: „Deshalb haben wir alle zusammen noch ein hartes Stück Arbeit vor uns, um das schwache erste Halbjahr auszugleichen und die Kosten im Griff zu behalten. Für Ihr persönliches Engagement möchte ich mich im Voraus schon bedanken.“ Ulrich Dohle berichtete in seiner Botschaft an die Mitarbeiter auch von einigen lukrativen Aufträgen (Motoren für 200 südafrikanische Dieselloks und 600 englische Panzer, gute Nachfrage von Yachtkunden nach der 2000er-Baureihe) und technischen Meilensteinen (MTU-Hybrid- Power-Pack für Bahn-Triebwagen), bevor er wieder auf den entscheidenden Punkt zu sprechen kam: „Um uns im derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfeld behaupten zu können, müssen wir konsequent Kosten verringern, zum Beispiel indem wir unsere Bestände verringern und Stellen abbauen.“ Unterm Strich seien bereits rund 350 der anvisierten 400 indirekten Stellen – also Jobs in der Verwaltung – bei Rolls-Royce Power Systems und zusätzlich knapp 100 bei Bergen Engines reduziert worden. „Zudem werden wir Überstunden und Urlaubstage konsequent reduzieren“, erklärte Dohle. „Die großen Anstrengungen der Belegschaft sind uns im Vorstand bewusst und den Kraftakt jedes Einzelnen wissen wir zu schätzen.“ Einen Rückschluss auf die Beliebtheit des englischen Eigentümers bei der Belegschaft erlaubt die Bemerkung, mit der Ulrich Dohle sein Schreiben schließt: „Die Kostenreduzierungen sind unserer wirtschaftlichen Situation geschuldet und nicht von Rolls-Royce aufgezwungen.“ //


Postkartenidylle

Der Bodensee ist schön, und so denkt kaum jemand an die Opfer. Man sieht die Toten nicht. Man hört die Schreie der Verletzten nicht.

In einem alten Buch steht: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Weiter