Quelle: Bundeswehr-Journal und DIEHL-Website:

Überlingen, 10. September 2014. Mit gut einmonatiger Verzögerung informierte das Überlinger Unternehmen Diehl Defence am 8. September über ein besonderes Produktjubiläum: Am 1. August war der 4000. Serienflugkörper IRIS-T ausgeliefert worden. Dieses Jubiläumsexemplar hatte ein Luftverteidigungsregiment der schwedischen Streitkräfte erhalten.

Der IRIS-T-Flugkörper (IRIS-T: InfraRed Imaging System-Tail/Thrust Vector Controlled) war in den Jahren 1995 bis 2005 als Nachfolger für die in die Jahre gekommenen Sidewinder-Flugkörper von Griechenland, Italien, Norwegen, Schweden, Spanien sowie Deutschland als Leitnation gemeinsam entwickelt worden. Die Serienfertigung hatte 2005 begonnen. IRIS-T wird bei den Luftwaffen aller sechs Programmpartnerländer genutzt. Auch Österreich, Saudi-Arabien, Südafrika und Thailand haben mittlerweile den IRIS-T-Flugkörper beschafft. Der Stückpreis soll bei rund 400.000 Euro liegen.

Auch geeignet für Luft-Boden-Einsatz und Flugkörperabwehr

In seiner Pressemitteilung zum 4000. Serienflugkörper beschreibt der Hersteller das Waffensystem wie folgt: „IRIS-T ist ein moderner Luft-Luft-Flugkörper kurzer Reichweite mit unübertroffener Kampf- und Abfangleistung. Der IR-Sucher-gestützte Radar-Annäherungszünder sowie der große Gefechtskopf verleihen dem Flugkörper eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Flugkörperabwehr auch gegen angreifende Luft-Luft- sowie Boden-Luft-Flugkörper. Durch vorausschauende Flugbahnverfolgung sowie die Fähigkeit der Zielaufschaltung nach dem Start kann der Flugkörper selbst Ziele in der hinteren Hemisphäre des abschießenden Flugzeugs bekämpfen.“

Mit dem IRIS-T-Flugkörper sind folgende fliegenden Waffenplattformen ausgerüstet: Eurofighter (Typhoon), Panavia Tornado, Saab 39 Gripen, F-16 Fighting Falcon sowie die EF-18A/B Hornet der spanischen Luftwaffe. IRIS-T soll sich Diehl zufolge als Doppelzweck-Flugkörper auch für den Boden-Luft-Einsatz eignen.


IRIS-T nach Saudi Arabien

Quelle: Scilogs, 10.04.2013 Boris Hänßler

.... Die Abkürzung steht für "Infra Red Imaging System Tail/Thrust Vector-Controlled". IRIS-T ist ein sogenannter Luft-Luft-Lenkflugkörper. "Luft-Luft" bedeutet, dass die Waffe im Kampf zwischen zwei Flugzeugen eingesetzt wird.

Die sogenannten Dogfights, klassische Luftduelle wie man sie aus Filmen wie "Top Gun" oder dem unsäglichen "Stählernen Adler" kennt, spielen in heutigen Militäreinsätzen allerdings kaum noch eine Rolle. Das liegt daran, dass Flugzeuge häufig aus weiter Entfernung abgeschossen werden, lange bevor man sie sehen kann. Die Raketen legen große Strecken zurück - 100 Kilometer und mehr - und verfolgen ihr bewegliches Ziel mit intelligenter Sensorik. Nun ist IRIS-T aber gerade eine Waffe, die für den Nahbereich bis zu 25 Kilometern gedacht ist. Sie ist auch nicht gerade billig. Sie kostet pro Stück 400.000 Euro


Wofür braucht die Deutsche Luftwaffe das Ding überhaupt?
Die Idee für die Waffe reicht lange zurück. Schon in den 1980er Jahren hatten insbesondere die europäischen NATO-Staaten einen Nachfolger für die Luft-Luft-Rakete AIM-9 Sidewinder gesucht. Die Waffe galt damals als modern. Doch nach dem Zusammenbrauch des Warschauer Pakts und der deutschen Wiedervereinigung hatte die NATO Bestände der Nationalen Volksarmee der DDR zu Gesicht bekommen. Die Sidewinder sah nun plötzlich ziemlich alt aus. Die NATO-Länder fanden unter anderem die sowjetische, infrarotgelenkte Kurzstrecken-Luft-Luft-Rakete "Wympel R-73". Sie war speziell für den Kurvenkampf ausgelegt und konnte gegnerische Ziele auf bis zu 40 Kilometer Distanz anvisieren. Der Suchkopf deckte einen Winkel von 75 Grad ab, außerdem konnten die Piloten zum Beispiel im Flugzeug MiG-29 "Fulcrum" ein Helmvisier benutzen. Sie mussten nur noch das Ziel mittels Kopfbewegung anvisieren und die Rakete abfeuern. Das war ein aus NATO-Sicht beunruhigender Vorteil: Die Wympel traf besser und weiter, und sie reagierte schneller als die Sidewinder.

Das deutsche Verteidigungsministerium gab bei dem Unternehmen IABG eine Studie in Auftrag, um herauszufinden, in wieweit solche Waffen bei künftigen Einsätzen überhaupt noch relevant sein könnten. Es kam heraus, dass die Luftwaffe trotz zunehmender Fernangriffe auf längere Sicht mit Nahkämpfen rechnen sollte. Warum? Das hat vor allem damit zu tun, dass die Luftwaffe in der Regel nicht alleine im Einsatz ist. Die NATO-Staaten bestreiten die meisten Einsätze gemeinsam. Daher ist das Risiko groß, dass zum Beispiel deutsche Piloten auf Flugzeuge der Partnerländer treffen und sie nicht sofort erkennen. Ich sprach mit einem Fluglehrer der Bundeswehr. Er sagte: "Gefechte werden zwar in der Tat seltener, aber wenn ich als Begleitschutz in einem gegnerischen Gebiet eindringe und nicht klar ist, wer mir entgegen kommt, muss ich ihn erst identifizieren. Dafür muss ich nahe genug an ihn heran fliegen. Dann gelange ich einen Bereich, für den Waffen wie IRIS-T entwickelt wurden."

Die Luftwaffe beauftragte im Juni 1995 die Bodenseewerk Gerätetechnik GmbH (BGT), heute Diehl Defence, mit der Entwicklung der Waffe. IRIS-T sollte einige Basisparameter der Sidewinder und ähnlicher Systeme beibehalten, damit die Flugzeuge leicht mit IRIS-T nachgerüstet werden konnten. Andere Länder kamen mit an Bord und teilten sich die Kosten: Deutschland übernahm 47 Prozent der Entwicklungskosten, Italien 20 Prozent, Schweden 18 Prozent, die übrigen Partner zwischen drei und acht Prozent. Neben Diehl als Hauptauftragnehmer waren die Firmen Alenia, Fiat Avio-BPD, Litton Italia (Italien), Saab, FFA (Schweden), Intracom, GPCC-Pyrkal, HAI (Griechenland), Allied Signal (Kanada) und NAMMO (Norwegen) beteiligt.

IRIS-T ist knapp 90 Kilogramm schwer, drei Meter lang und hat einen Durchmesser von 12,7 Zentimeter. Die Waffe besteht aus Sucher, Gefechtskopf, Antrieb und Steuerung. Beim Abschuss wird die Rakete vom Flugzeug getrennt. Es folgt ein Moment mit geringer Schubkraft. In dieser Phase kann die Rakete die Flugrichtung noch um bis zu 180 Grad ändern. Erst nach der endgültigen Zielausrichtung beschleunigt der Motor die Rakete auf bis zu dreifache Schallgeschwindigkeit.

Der Suchkopf funktioniert über eine Bilderkennungssoftware. Sie kann Flugzeuge an den heißen Triebwerken oder der erhitzten Oberfläche erfassen. Als Abwehrmaßnahmen gegen Raketen nutzen Kampfpiloten sogenannte Infrarot-Täuschkörper (Flares), die in breitem Winkel ausgeworfen werden und die Suchköpfe von Lenkflugkörpern verwirren sollen. In der Bilderkennungssoftware von IRIS-T sind die gängigen Flare-Typen berücksichtigt, so dass die Rakete nicht auf solche Tricks herein fällt – jedenfalls eine Zeit lang. Das ist ungefähr so wie der Wettkampf zwischen Computerviren-Programmierer und Virenschützer. Sobald ein Virus bekannt ist, gibt es neue. Das gleiche gilt für Flares. Die Bilderkennungssoftware von IRIS-T muss entsprechend regelmäßig aktualisiert werden.

IRIS-T wird von der Bundeswehr am Eurofighter und Tornado eingesetzt, sowie in den Flugzeugen F-16 "Falcon", EF-18 "Hornet" und Saap "Gripen" der europäischen und amerikanischen Streitkräfte. In Deutschland sind zum Beispiel die Kampfflugzeuge, die den deutschen Luftraum überwachen, mit IRIS-T ausgestattet. Der deutsche Luftraum wird 24 Stunden am Tag überwacht. Die entsprechenden Flugzeuge – F-4 Phantom und Eurofighter – stehen für Norddeutschland in Wittmund, Ostfriesland, und für Süddeutschland in Neuburg an der Donau. Laut Diehl wurden bislang von den Konsortialpartnern 4.000 Flugkörper bestellt. IRIS-T wurde auch an Österreich, Südafrika, Saudi-Arabien und Thailand verkauft.

 


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Postkartenidylle

Der Bodensee ist schön, und so denkt kaum jemand an die Opfer. Man sieht die Toten nicht. Man hört die Schreie der Verletzten nicht.

In einem alten Buch steht: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Weiter