Kriege wird es immer geben!?

Auf der Welt gibt es laut Heiderberger Institut für Internationale Konfliktforschung derzeit (Februar 2014) 20 Kriege, einschließlich Bürgerkriege. Hier auch die Wikipedia-Liste der aktuellen Kriege.


Heidelberger Konfliktbarometer


Kurzfristiges Ziel: Seit 2004 bildet die Bundesregierung gezielt internationale Vermittler aus. Das ist wenig bekannt. Derzeit sind rund 200 dieser internationalen Vermittler fertig ausgebildet. Dieser Zivile Friedensdienst, ZFD, muss verstärkt werden, er muss - als kurzfristiges Ziel - mit genauso viel Geld und Personal ausgestattet werden wie die Bundeswehr. Die internationale Gemeinschaft muss Konflikte zwischen zwei (oder mehreren) Staaten noch früher als bisher erkennen und bearbeiten. Professionelle VermittlerInnen der UNO müssen früher tätig werden.
 

Mittelfristiges Ziel: Deutschland ist seit dem Fall der Mauer "umzingelt" von Freunden. Warum benötigen wir in dieser Situation noch eine eigene Armeee? Deutschland und andere Länder sollen das Gewaltmonopol der UNO anerkennen.
 

Langfristiges Ziel: Christen und Juden warten darauf, dass eines Tages alle Waffen umgeschmiedet werden zu Ackergeräten: "Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. " (Altes Testament, Prophet Micha, Kapitel 4, Vers 3)

"Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht [gemeint sind Soldatenstiefel], und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende ..." (Die Bibel, Prophet Jesaja, Kapitel 9, ab Vers 4)

Auch Jesus hat von diesem Friedensreich gesprochen. In vielen Gleichnissen hat er vom kommenden Friedensreich gesprochen. Genau gesagt, war das sein Hauptthema: "Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.  Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen." (Neues Testament, Matthäus, Kapitel 5)

Vor 100 Jahren dachte man noch, 
- die Rassentrennung in den USA wird es immer geben,
- die Deutschen und die Franzosen werden immer Feinde sein,
- in Deutschland wird es nie Demokratie geben,
- die Homosexuellen werden nie standesamtlich heiraten können...

Vor 30 Jahren dachte man: Die Berliner Mauer wird noch lange stehen. 

So ändern sich Dinge, von denen man dachte, die ändern sich nie!Heute denken wir: Die Fabriken am Bodensee werden immer Waffenteile produzieren. In 100 Jahren kann es sein: Die Fabriken am Bodensee produzieren nur noch zivile Güter.


Militärische Konfliktlösung wird überschätzt. 
Zivile Konfliktlösung wird unterschätzt. 

Die Magisterarbeit von Martin Quack "Von der ultima Ratio zur prima ratio? - Gründe für die Unterstützung des Zivilen Friedensdienstes durch die Bundesregierung", Tübingen 2002 (hier).

Gewalt ohne militärische Mittel eindämmen und die zivilen Kräfte der Gesellschaft dabei stärken, Konflikte friedlich zu regeln: Das sind die Ziele des Zivilen Friedensdienstes http://www.ziviler-friedensdienst.org/. In einer aktuellen Kampagne fordern wir mehr Geld für den Zivilen Friedensdienst: http://www.20millionen-mehr-vom-militaer.de/

Das Programm startete 1999. Seitdem werden speziell vorbereitete Fachkräfte in Krisenregionen entsandt. Sie unterstützen örtliche Partnerorganisationen dabei,
•    den Ausbruch gewaltsamer Konflikte im Vorfeld zu verhindern (Krisenprävention),
•    Konflikte friedlich beizulegen (Gewaltminderung),
•    nach Konflikten friedensfördernde Strukturen aufzubauen und dadurch zu einer langfristigen Friedenssicherung beizutragen (Konfliktnachsorge).

Im Zivilen Friedensdienst (ZFD) wirken nichtstaatliche und staatliche Träger zusammen, um Hass und Gewalt zu vermeiden und Verständigung zu erleichtern. Die Trägerorganisationen entsenden die Fachkräfte des Zivilen Friedensdienstes. Die Fachkräfte tragen auf Wunsch lokaler Partner vermittelnd und unterstützend dazu bei, Feindschaft, Angst und Misstrauen zu überwinden. Die Fachkräfte arbeiten befristet bei einer lokalen Trägerorganisation mit oder schulen und trainieren Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor Ort.


Zum Krieg in Afghanistan

Der folgende Zeitungsartikel hat nicht direkt etwas mit "Waffen vom Bodensee" zu tun. Es ist also nicht direkt unser Thema. Außer dass Mowag-Radpanzer aus Kreuzlingen dort unterwegs sind. Aber der Artikel zeigt, was das Militär meistens leider nur bewirkt: nämlich nicht viel Gutes.

Aus der Schwäbischen Zeitung vom 28. Februar 2011, Ausgabe Ravensburg, Autor Wolfram Frommlet.

Ernüchternd: Ein sinnloser Krieg

Der pensionierte Oberst und Bundeswehrarzt Reinhard Erös berichtet über Afghanistan

RAVENSBURG – Er redet wie ein Besessener, fast drei Stunden im vollbesetzten Spital-Cafe und auf Einladung von Pax Christi. Es ist eine mitreißende Mixtur aus Wut und Empörung über militärischen Unsinn und politische Verlogenheit im NATO-Bündnis, aus geballter Faktenkenntnis und Leidenschaft für ein zerrüttetes Land, Afghanistan.

Reinhard Erös ist Oberst a.D, Er war Soldat und ist es, sagt er, mental noch immer. Doch damit verbindet er ein Ethos, das er mit dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan verletzt sieht. „Wir verteidigen nicht die westliche Freiheit am Hindukusch“, sondern stützen die unsinnige Militärstrategie der USA, Bushs „Krieg gegen den Terror“. 700 Milliarden Dollar sind in zehn Jahren in diesen Krieg gesteckt worden, gegen das westliche Feindbild Taliban. So Grauen erregend ihr Kulturkampf, ihre Gewalt auch sei, eine Gefahr für den Westen waren sie nie. An keinem Anschlag in westlichen Hauptstädten waren sie beteiligt, die Täter kamen aus arabischen Staaten, allen voran aus Saudi-Arabien. Dessen wahabitische Herrscher wollen den Gottesstaat in Afghanistan, in Pakistan, wo sie die Koranschulen, die Madrasse, finanzieren, diese Brutstätten fundamentalistischer Verblendung. Doch wegen des Öls, wegen der gigantischen Waffenkäufe auch aus Deutschland, wagen nach Erös weder Journalisten noch Politiker die Saudis anzugreifen. Die vorgebliche Gefahr hat ja einen Namen: Taliban. Angeblich ist die NATO in Afghanistan, um Demokratie zu bringen und Bildung für die Frauen und Mädchen. Und wie steht das Land da, zehn Jahre nach dem westlichen Militäreinsatz?

Weit schlimmer als vor den Taliban. Von milliardenschwerer Korruption zerfressen, die hauptsächlich Präsident Karsai und seinem Clan zugute kommt; der Drogenanbau hat sich von 500 Tonnen vor den Taliban auf 7.000 Tonnen gesteigert.

Die Bauern haben nichts davon. Mit den 700 Milliarden Militärkosten wurden keine Arbeitsplätze geschaffen, keine Schulen gebaut, keine Universität. Aber Hass auf den Westen gedieh stattdessen. Alleine im letzten Jahr wurden 3.000 Zivilisten durch amerikanische Bombardements und unbemannte Drohnen getötet. In derselben Woche, als die drei deutschen Soldaten getötet wurden, waren allein in der Provinz Nagahar 51 Zivilisten „Kollateralschäden“, wie diese Toten verschleiernd genannt werden. Und darüber, empört sich Erös, kein Wort in deutschen Medien.

Geld vernichtet, Ruf verspielt

Was, fragt Reinhard Erös rhetorisch, denn er gibt die Antwort, was hätte man ohne Soldaten, mit einem Bruchteil der militärischen Kosten, in Afghanistan aufbauen können und im Nachbarland Pakistan, an Infrastruktur, an säkularer Bildung. Nachdem die Sowjets vertrieben waren, damals, als Deutschland in beiden Ländern ein exzellentes Image hatte.

Freilich nicht gegen, sondern mit den traditionellen Führern, wenn es denn sein muss, auch mit den Warlords. Nicht mit gepanzerten Fahrzeugen, eine halbe Million das Stück oder mehr, nicht aus abgeschot-teten Militärcamps heraus, sondern den Bedingungen angepasst und mit Vertrauen auf das einheimische Potential.

Und exakt dies ist der Erfolg der Kinderhilfe Afghanistan, die Reinhard Erös nach seiner Pensionierung 1998 mit seiner Frau Annette und den fünf erwachsenen Kindern gründete. Ehrenamtlich, mit einem Verwaltungsaufwand von 0,01 Prozent der ausschließlich privaten Spenden. 25 „Friedensschulen“ (Grundschulen) haben sie mit lokalen Kräften eröffnet, für 50.000 Mädchen, die Lehrerinnen-Ausbildung und die Gehälter finanziert, eine Highschool, eine Computerklasse an der Medizinischen Fakultät Naghar ermöglicht. Zehn Jahre nach dem ersten Einsatz deutscher Soldaten sage der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe, „der Einsatz war falsch“. Der pensionierte Oberst Erös hat daraus zivile Konsequenzen gezogen.


Postkartenidylle

Der Bodensee ist schön, und so denkt kaum jemand an die Opfer. Man sieht die Toten nicht. Man hört die Schreie der Verletzten nicht.

In einem alten Buch steht: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Weiter