2012-12-21 Südkurier Überlingen, von Stefan Hilser (Quelle)

Rüstungsdebatte: Was vom Bodenseekirchentag übrig blieb

Die Erklärung zur Rüstungsindustrie vom Bodensee, verabschiedet auf dem ökumenischen Bodenseekirchentag, steht noch auf der Agenda. Dekanin Regine Klusmann kündigte an, das Gespräch mit den Verantwortlichen in den Rüstungsbetrieben suchen zu wollen.

Weihnachten ist die Zeit, in der sich die Menschen gerne dem Frieden widmen – in der Familie, in Bethlehem und der ganzen Welt. Bereits im Sommer, anlässlich des 15. Ökumenischen Kirchentags am Bodensee, machten sich Christen beider Konfessionen Gedanken darüber, wie sie dem Frieden dienen könnten.

Konsens war, gegen die Herstellung und den Export von Waffen in Krisengebiete andiskutieren zu wollen: So lautete sinngemäß die „Ökumenische Erklärung zur Rüstungsindustrie am Bodensee“, die auf dem Kirchentag verabschiedet wurde, und in der sich die Unterzeichner dazu verpflichteten, Diskussionen in die Gemeinden und damit in die Gesellschaft zu tragen. Doch was wurde daraus?

Bis jetzt haben 55 Männer und Frauen die Erklärung unterzeichnet, sagt Dr. Heinz Kapp, einer der Initiatoren der Erklärung. Hinzu kämen „zahlreiche mündliche Unterstützungsbekundungen“. Mit der ökumenischen Erklärung sei „ein Prozess in Gang gekommen“, es habe „eine Art Tabubruch“ stattgefunden. In der Kirchengemeinde in Konstanz sei dies deutlich zu spüren. Gleichzeitig gebe es aber nach wie vor „ein Gefühl der Angst und Ohnmacht“, frei über das Thema zu sprechen. „Denn die Erwertung der Kirchengemeinden ist auf Harmonie ausgerichtet.“ Das sei „immer noch überwiegend der Fall“, weshalb diese Diskussionen in der einen oder anderen Gemeinde auch tot geschwiegen würden. Das wiederum sei in der Kirchengemeinde in Friedrichshafen deutlich zu spüren.

In Überlingen, wo einer der größten Wehrtechniklieferanten der Bundesrepublik steht, hatte der Kirchentag stattgefunden. Für die evangelische Kirchengemeinde kündigte Pfarrerin und Dekanin Regine Klusmann an, die Diskussion voranzutreiben, auch, mit den Verantwortlichen in den Betrieben ins Gespräch zu kommen. Wovor sich Diehl-Vorstand Claus Günther nicht scheut, wie sich daran zeigt, dass er an einer Podiumsdiskussion zum Kirchentag teilnahm.

„Das Thema ist überhaupt nicht ausgeblendet, sondern wird auf breiter Basis diskutiert und wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Gespräche“, stellt Dekanin Klusmann für die evangelische Kirche auf Anfrage dieser Zeitung jedenfalls fest. In der katholischen Kirche gab es keine organisierte Form der Diskussion nach dem Kirchentag. „Mir ist nichts bekannt“, sagte Stadtpfarrer Hansjörg Weber.

In der Evangelischen Landeskirche in Baden werde nun ein   Positionspapier „Friedensethik“   erarbeitet, das in allen Bezirken und Gemeinden diskutiert und mit Stellungnahmen versehen werden soll, sagte Pfarrerin Klusmann. Im Anschluss an diesen Prozess werde die Landessynode eine Stellungnahme verabschieden. „Grundsätzlich ist zu sagen, dass sich die Kirche dem Thema Frieden sehr verpflichtet weiß und es ist unsere Aufgabe, Frieden zu schaffen, Konflikte versuchen zu entschärfen und gegen Gewalt, auch Waffengewalt, einzutreten. Dass dies – vor allem in der Auseinandersetzung mit diktatorischen Regimes – nicht immer möglich ist, wissen wir auch. Dennoch kommt es darauf an, den Einsatz von Waffen und Soldaten und auch von Rüstungsexporten in jedem Fall ethisch zu rechtfertigen und es geht darum, dass Kirche sich in diese ethische Diskussion einmischt und auf die Einhaltung dieser Werte achtet.“

Heinz Kapp stellt „eine Wende gegenüber früher“ fest. Die Friedensdiskussion genieße innerhalb der Landeskirche eine hohe Aufmerksamkeit. Es sei bei den Kirchenverantwortlichen angekommen, dass sich mehr Leute zu Wort melden „als ein paar Friedensbewegte“.

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