Menschen, die ihrer Zeit voraus waren.


Otto Umfrid, evangelischer Theologe und Pazifist

* 2.5. 1857 in Nürtingen, + 23.5. 1920 in Winnenden.

Sein Name stand auf der "short list" für den Friedensnobelpreis 1914. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges hat die Verleihung des Preises verhindert.

Durch seine zahlreichen Vortragsreisen gründete er fast 20 weitere Ortsgruppen im damaligen Württemberg. Bereits im Jahre 1900 war die Organisationsarbeit so weit gediehen, dass die Geschäftsstelle der Deutschen Friedensgesellschaft von Berlin nach Stuttgart verlegt wurde.

Wenn Sie auf diesen Link klicken, sollte der ausführliche Lebenslauf erscheinen. 

Foto rechts: Otto und Julie Umfried vor dem Pfarrhaus.

Foto links: Otto-Umfried-Straße am Nordbahnhof in Stuttgart.


Josef Ruf (1905-1940)

Aus Hochberg bei Saulgau. 1905 dort geboren, hingerichtet durch das Fallbeil am 10. Oktober 1940. Verweigerte den Eid auf Hitler und den Dienst an der Waffe. Seine Begründung lautete: "Ich kann den Waffendienst mit der Lehre Christi einfach nicht vereinbaren, und fühle mich verpflichtet, unter allen Umständen auch danach zu handeln". http://www.rottenburg-stuttgart.paxchristi.de/319.4.3/index.html  


Paul Knapp (1879-1953)

Geboren am 15. April 1879 in Tuttlingen, gestorben am 28. Juli 1953 in Grünkraut bei Ravensburg. 

Er war Pfarrer in Atzenweiler bei Ravensburg. Im Jahre 1918 hat er in Ravensburg die Deutsche Friedenspartei gegründet. 

Während zweier kurzer Aufenthalte im Sanitätsdienst in Lazaretten des Ersten Weltkriegs verfestigte sich seine Ablehnung des Krieges. Er vertrat die Ansicht, auf den Krieg bezogene Bitt- und Dankgottesdienste seien Gotteslästerung.

Wikipedia über Paul Knapp... 


Max Josef Metzger (1887-1944)

Max Josef Metzger, katholische Priester und Doktor der Theologie. Er wurde 1887 in Schopfheim geboren und verbrachte Gymnasialjahre unter anderem in Konstanz. Er starb am 17. April 1944 durch Enthauptung in Berlin.

Er gründet 1917 in Graz den Weltfriedensbund vom Weißen Kreuz. 

Am 27. Januar 1918 hält er eine aufsehenerregende Predigt in der Maria-Hilf-Kirche in Graz. Darin prangert Metzger das "Moratorium der Bergpredigt" an. Mit diesem Begriff ist gemeint, dass die Kirche die sieben Seligpreisungen seit Jahrhunderten missachtet. Diese Missachtung sei so schlimm wie die Sintflut in 1. Mose 6-9.

Max Josef Metzger spricht im Jahre 1921 als erster Deutscher nach dem ersten Weltkrieg auf dem internationalen Friedenskongress in Paris.

Er schreibt im Jahre 1932 - also 7 Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkrieges - einen Brief an Papst Pius XI., in dem er vor dem beginnenden Wettrüsten warnt und den Papst um Intervention bittet, um die drohende Katastrophe eines neuen Weltkrieges zu verhindern.

Er war seiner Zeit weit voraus! 

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Josef_Metzger


Reinhold Schneider (1903-1958):

Reinhold Schneider (katholischer Schriftsteller): "Ich habe immer die Meinung vertreten, dass ein entschiedenes Nein zur Rüstung die moralische Autorität der Kirche auf eine seit dem Mittelalter nicht mehr innegehabte Höhe steigern könnte; zugleich würde sie den Bruch mit dem ganzen Weltgefüge bedeuten, denn die Spitze, in der alle Kräfte zusammenstrahlen, ist die modern

e Waffe." (in: "Über Reinhold Schneider", hg. C.P. Thiede, Frankfurt, Suhrkamp 1980, S.241)

Aus einem Brief Schneiders von 1951: "Ich kann mich nicht mit dem abfinden, was heute Christen für erlaubt oder geboten halten: die Herstellung von Waffen unserer Zeit. Es geht mir nicht darum, ob der Nichtchrist einen Krieg für gerecht hält, sondern ob der Christ ihn vor seinem von Christus aufgerufenen Gewissen für gerecht halten kann. Es geht auch nicht einmal darum, ob die Waffen angewendet werden oder nicht; das Erfinden, das Denken, das Herstellen der Waffen ist Sünde." (Zitiert in Heinrich  Spaemanns kleiner Schrift "Ehe es zu spät ist - Ein Appell" 1983,  S. 26f.)

Wikipedia über Reinhold Schneider.


Max Daetwyler (1986-1976)

Max Daetwyler wurde am 7. September 1886 in Arbon/CH geboren. Er starb am 26. Januar 1976 in Zumikon/CH. Erste Schweizer Kriegsdienstverweigerer.

Am 5. August 1914 kam es auf dem Kasernenhof im schweizerischen Frauenfeld zu einem ungeheuerlichen Vorfall: Der Füsilier Max Daetwyler verweigerte beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs den Fahneneid. Mit dieser Tat begann seine lebenslange Arbeit für den Weltfrieden.

Die weiße Friedensfahne geschultert, bereiste der Ostschweizer den halben Erdball und sprach unter anderem in Berlin, Moskau, Washington und Kairo über seine Idee der Völkerfreunsschaft. Das brachte ihn mehr als einmal in Teufels Küche; doch nichts konnte seinen Willen beugen, für die Ächtung des Kriegs zu wirken.

Max Daetwyler war schlagfertig und humorvoll. Er hat der Stimme des Gewissens vertraut und ist unbeirrbar seinen Weg gegangen. Seine Botschaft verdient es, auch in unseren Tagen gehört zu werden.  Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Daetwyler


Liselotte Herrmann (1909 - 1938)

Die Ingenieurstochter Liselotte Herrmann studiert von 1929 bis 1931 an der Technischen Hochschule in Stuttgart Chemie und ab 1931 Biologie in Berlin. 1928 tritt Lieselotte Herrmann in den KJVD ein, wird Mitglied des "Roten Studentenbundes" und im November 1931 KPD-Mitglied. Wegen ihrer politischen Tätigkeit wird sie im Juli 1933 von der Universität relegiert. Sie arbeitet anschließend als Kindermädchen. Lilo Herrmann ist in jener Zeit bereits Mitarbeiterin des geheimen militärischen Apparates der KPD. Nach der Geburt ihres Sohnes Walter kehrt sie im September 1934 nach Stuttgart zurück und ist im Ingenieurbüro ihres Vaters als Stenotypistin beschäftigt. Sie arbeitet ab Ende 1934 als technische Mitarbeiterin für Stefan Lovasz, den Leiter der illegalen KPD Württemberg, und übernimmt Schreib- und Kurierarbeiten für den geheimen Militärapparat der KPD. Von Artur Göritz erhält sie militärische Informationen über die Produktion von Rüstungsgütern in den Dornier-Werken in Friedrichshafen und über den Bau einer unterirdischen Munitionsfabrik bei Celle. Dieses Material wird einem Instrukteur des ZK der KPD in der Schweiz übergeben. Von Agenten verraten, wird Liselotte Herrmann am 7. Dezember 1935 verhaftet. Sie wird am 12. Juni 1937 vom Volksgerichtshof wegen "Landesverrats und Vorbereitung zum Hochverrat" zum Tode verurteilt, obgleich im Verfahren ein Offizier bestätigt, dass die bei ihr gefundenen Unterlagen nicht als geheim eingestuft gewesen sind. Ihre Hinrichtung erfolgt am 20. Juni 1938 in Berlin-Plötzensee, obwohl sich viele Menschen aus verschiedenen Ländern für die junge Frau und Mutter eingesetzt haben


Heinrich Spaemann (1903-2001)

Er lebte und wirkte seit 1968 bis zu seinem Tod in Überlingen als katholischer Priester. Im Jahr 1983 veröffentlichte er eine kleine Schrift mit dem Titel: "Ehe es zu spät ist - Ein Appell". Darin abgedruckt sind drei Briefe an den damaligen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Josef Höffner, sowie eine Laudatio auf Reinhold Schneider anlässlich seines 25. Todestages.

Er zitiert aus einem Brief Schneiders von 1951: "Es geht auch nicht einmal darum, ob die Waffen angewendet werden oder nicht; das Erfinden, das Denken, das Herstellen der Waffen ist Sünde." (S. 26f)

Aus dem Brief vom 18. Mai 1983: "Wir Christen wissen mit Bestimmtheit nur eines, daß wir die heutigen Kriegswaffen nur noch abbauen dürfen, wir wissen nicht, wie die Geschichte darauf antworten wird. Gott aber, das wissen wir, verantwortet alles, was dem begegnet, dem im Glauben an ihn nicht auf Mittel verbrecherischer Gewalt setzt. (S. 18)

Aus der Vorrede: "Man möchte wünschen, daß jeder Parlamentarier heute erst für eine halbe Stunde die Bildchronik Hiroshima - Nagasaki zur Hand nähme, bevor er in Beratungen eintritt, deren Thema Militärisches ist; besser noch, daß er vor jeder neuen Beratungsperiode, in der es um solche Fragen geht, eine Woche lang Pflegedienst tun oder Nachtwache halten würde bei Krebskranken, in Sterbekliniken, bei Schwerunfallverletzten, bei Hautverbrannten, in Blindenheimen und auf Kinderstationen." (S. 6)

Das BBKL über Heinrich Spaemann: http://www.bbkl.de/s/spaemann_h.shtml
Das Portrait-Foto von Heinrich Spähmann in größerer Auflösung: hier.


Albert Einstein/Siegmund Freud

Warum Krieg? Für einen militanten Pazifismus

Es gäbe genug Geld, genug Arbeit, genug zu essen, wenn wir die Reichtümer der Welt richtig verteilen würden, statt uns zu Sklaven starrer Wirtschaftsdoktrinen oder -traditionen zu machen. Vor allem aber dürfen wir nicht zulassen, dass unsere Gedanken und Bemühungen von konstruktiver Arbeit abgehalten und für die Vorbereitung eines neuen Krieges missbraucht werden. "Ich bin der gleichen Meinung wie der große Amerikaner Benjamin Franklin, der sagte: es hat niemals einen guten Krieg und niemals einen schlechten Frieden gegeben."

Ich bin nicht nur Pazifist, ich bin militanter Pazifist. Ich will für den Frieden kämpfen. Nichts wird Kriege abschaffen, wenn nicht die Menschen selbst den Kriegsdienst verweigern. Um große Ideale wird zunächst von einer aggressiven Minderheit gekämpft. Ist es nicht besser, für eine Sache zu sterben, an die man glaubt, wie an den Frieden, als für eine Sache zu leiden, an die man nicht glaubt, wie an den Krieg? Jeder Krieg fügt ein weiteres Glied an die Kette des Übels, die den Fortschritt der Menschlichkeit verhindert.

Doch eine Handvoll Wehrdienstverweigerer kann den allgemeinen Protest gegen den Krieg dramatisieren.  Die Massen sind niemals kriegslüstern, solange sie nicht durch Propaganda vergiftet werden. Wir müssen sie gegen Propaganda immunisieren. Wir müssen unsere Kinder gegen Militarismus impfen, indem wir sie im Geiste des Pazifismus erziehen. Der Jammer mit Europa ist, dass die Völker mit falschen Zielen erzogen worden sind. Unsere Schulbücher verherrlichen den Krieg und unterschlagen seine Gräuel. Sie indoktrinieren die Kinder mit Hass. Ich will lieber Frieden lehren als Hass, lieber Liebe als Krieg. Die Schulbücher müssen neu geschrieben werden. Statt uralte Konflikte und Vorurteile zu verewigen, soll ein neuer Geist unser Erziehungssystem erfüllen. Unsere Erziehung beginnt in der Wiege: die Mütter der ganzen Welt haben die Verantwortung, ihre Kinder im Sinne der Friedenserhaltung zu erziehen.

Es wird nicht möglich sein, die kriegerischen Instinkte in einer einzigen Generation auszurotten. Es wäre nicht einmal wünschenswert, sie gänzlich auszurotten. Die Menschen müssen weiterhin kämpfen, aber nur, wofür zu kämpfen lohnt: und das sind nicht imaginäre Grenzen, Rassenvorurteile oder Bereicherungsgelüste, die sich die Fahne des Patriotismus umhängen. Unsere Waffen seien Waffen des Geistes, nicht Panzer und Geschosse. Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau einsetzten.

Ein Zehntel der Energien, die die kriegführenden Nationen im Weltkrieg verbraucht, ein Bruchteil des Geldes, das sie mit Handgranaten und Giftgasen verpulvert haben, wäre hinreichend, um den Menschen aller Länder zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen sowie die  Katastrophe der Arbeitslosigkeit in der Welt zu verhindern. Wir müssen uns stellen, für die Sache des Friedens die gleichen Opfer zu bringen, die wir widerstandslos für die Sache des Krieges gebracht haben. Es gibt nichts, das mir wichtiger ist und mir mehr am Herzen hegt. Was ich sonst mache oder sage, kann die Struktur des Universums nicht ändern. Aber vielleicht kann meine Stimme der größten Sache dienen: Eintracht unter den Menschen und Friede auf Erden.


Postkartenidylle

Der Bodensee ist schön, und so denkt kaum jemand an die Opfer. Man sieht die Toten nicht. Man hört die Schreie der Verletzten nicht.

In einem alten Buch steht: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Weiter