2013-11-14 Von Steffen Range, Schwäbische Zeitung "Liebherr-Aerospace stärkt Bodenseeregion"

Ausrüster erweitert Werke in Lindenberg und Friedrichshafen – Lieferant von Airbus

FRIEDRICHSHAFEN Gelbe Bagger und Krane von Liebherr finden sich auf vielen Baustellen, Liebherr-Kühlschränke stehen in vielen Küchen. Doch Technik von Liebherr steckt auch in Flugzeugen von Airbus oder Bombardier. Der Flugzeugausrüster Liebherr-Aerospace rechnet in den kommenden Jahren mit einem stürmischen Wachstum. Deshalb erweitert das Unternehmen seine Werke in Friedrichshafen sowie Lindenberg im Allgäu (Kreis Lindau) und investiert in großem Stil, wie das Management am Dienstag auf dem „Liebherr-Aerospace-Empfang“ im Dornier Museum in Friedrichshafen berichtete.

Wald gerodet, Moor vernässt

Der Standort in Lindenberg wird in den kommenden vier Jahren von 127000 Quadratmeter auf 160000 Quadratmeter wachsen, es entstehen eine neue Montagehalle und ein Lager. Auch das aus der ZF hervorgegangene Werk für Hubschraubergetriebe wird erweitert. „Unsere Infrastruktur ist nicht mehr ausreichend“, sagte Josef Gropper, einer der drei Geschäftsführer von Liebherr-Aerospace. Das Warenlager in Lindenberg platzt aus allen Nähten, für die Beschäftigten fehlen Parkplätze. Die Bauarbeiten begannen Mitte vergangenen Jahres. Anfang 2014 soll die Fabrik bezugsfertig sein. Für die Bauarbeiten wurden unter Protest von Naturschützern 3,5 Hektar Wald gerodet. Im Gegenzug erschafft Liebherr allerdings auch ein sechs Hektar umfassendes, zusammenhängendes Hochmoorgebiet, das nun wieder vernässt werden kann.

Die Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH ist mit einem Umsatz von knapp 600 Millionen Euro einer der führenden Hersteller von Flugzeugausrüstungen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Fahrwerke sowie Instrumente und Software zur Steuerung von Flugzeugen. Technik aus Lindenberg steckt in so bekannten Modellen wie dem Airbus A350, dem A320 oder der C-Serie von Bombardier. Auch Flugzeugbauer aus Brasilien, China und Russland vertrauen auf den Ausrüster aus dem Allgäu. Das Unternehmen beschäftigt in der Region sowie in Friedrichshafen fast 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gehört zur Firmengruppe Liebherr. „Bodensee und Allgäu sind ganz starke Regionen in Europa“, sagte Geschäftsführer Gropper. Die millionenschwere Investition ist auch eine wichtige Nachricht für die Lieferanten Liebherrs: „Die Nähe zu unseren Standortpartnern ist uns äußerst wichtig“, so Gropper. Tatsächlich ist die Bodenseeregion ein Zentrum der Luft- und Raumfahrtindustrie. Mehr als die Hälfte aller baden-württembergischen Arbeitsplätze dieses Bereichs befinden sich im Bodenseekreis. Bernhard Gerwert, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, bezeichnete Liebherr-Aerospace als „Aushängeschild der großen europäischen Ausrüsterindustrie“. Er würdigte den Erfindungsreichtum der Techniker, vor allem auf dem Gebiet präziser Titan-Bearbeitung. Das Metall wird wegen seines geringen Gewichts und seiner hohen Festigkeit bevorzugt in der Luftfahrtindustrie verwendet, unter anderem für Bauteile, die Temperaturen von mehr als 130 Grad und hohen Druck aushalten müssen

Mit Boeing im Gespräch

Liebherr-Aerospace rüstet sich nun für weitere Aufträge. Der Grund: Die Flugzeugflotte wird sich in den kommenden beiden Jahrzehnten vermutlich verdoppeln. Außerdem müssen viele in die Jahre gekommene Maschinen überholt werden. Luftfahrt-Manager Gerwert sagte: „Sie werden an diesem Wachstum partizipieren.“ Zudem hofft die Liebherr-Geschäftsführung auf bedeutende Aufträge des weltgrößten Flugzeugbauers und Airbus-Rivalen Boeing.

Zusatzinformation: Bedeutender Wirtschaftszweig

Die deutsche Luft- und Raumfahrtbranche erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 25 Milliarden Euro, zehn Prozent mehr als 2011. Rund 100000 Menschen arbeiten in diesem Wirtschaftszweig, der jährlich rund 4,5 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgibt und mehr als 60Prozent seiner Erzeugnisse exportiert. 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf die zivile Luftfahrt . Weniger rosig sieht es im militärischen Bereich aus. Sinkende Rüstungsausgaben machen den Unternehmen zu schaffen. In der Raumfahrt hofft die Branche, dass die neue Bundesregierung den Kurs der Vorgängerregierung beibehält. Deutschland ist neben Frankreich die führende Raumfahrtnation Europas. (Erschienen: 14.11.2013 07:30)


11.03.2013 Zitat aus der gewöhnlich gut unterrrichteten FLUG REVUE

"Liebherr nimmt Titan-Bearbeitungszentrum in Betrieb

Die Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH hat kürzlich in Lindenberg (Allgäu) ein neues Zentrum für die Bearbeitung von Titanteilen in Betrieb genommen. Rund 2,7 Millionen Euro hat das Unternehmen in das neue Titan-Bearbeitungszentrum investiert. Auf einer Fläche von mehr als 260 Quadratmetern werden dort Hydraulikventilblöcke für den Electric Back-up Hydraulic Actuator (EBHA) des A380-Programms sowie Gehäuse der Filterpaketeinheiten für den Eurofighter zerspant... Titan wird wegen seines geringen Gewichts, seiner hohen Festigkeit und Hitzebeständigkeit bevorzugt in der Luft- und Raumfahrtindustrie verwendet, unter anderem für Flugzeugstruktur-Bauteile, die Temperaturen von mehr als 130 Grad Celsius und hohe Hydraulikdrücke aushalten müssen..."


Unsere Forderungen

  1. An die Geschäftsleitung der Firma LIEBHERR: Stellen Sie auf zivile Produkte um! Oder verlassen Sie die Bodenseeregion!
  2. An die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma LIEBHERR: Beteiligen Sie sich nicht an der Herstellung militärischer Produkte! Arbeiten Sie stattdessen (offen oder verdeckt) mit der Friedensbewegung zusammen!

Aktuell: Rüstungsgegner spenden für Syrien-Kriegsopfer: Die Wunden heilen helfen, die auch deutsche Waffen und Rüstungsgüter im Syrienkrieg Menschen zufügen, war das Motiv für eine 4-stellige Euro-Spende von Mitgliedern des Vereins "Keine Waffen vom Bodensee (KWvB)e.V.", an Dr. Adnan Wahhoud aus Lindau... (weiter)

Postkartenidylle

Der Bodensee ist schön, und so denkt kaum jemand an die Opfer. Man sieht die Toten nicht. Man hört die Schreie der Verletzten nicht.

In einem alten Buch steht: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Weiter