Wie viele Menschen am Bodensee arbeiten an Rüstungsprojekten?

Beispiel: Wenn vier Personen jeweils ein Viertel ihrer Arbeitszeit mit der Produktion (oder Konstruktion oder dem Transport...) von Rüstungsgüter verbringen, dann haben wir dies als eine einzige Arbeitsstelle gerechnet.

Name Ort   Anteil der
Rüstung an der Gesamt-produktion
Mitarbeiter 
in der Region
Bodensee
Ergebnis: Mitarbeiter an Rüstungs-projekten
ATM Konstanz/D 95 % 130 123
Avitech Friedrichshafen 15 % 40 6
CWDT Nhs.a.Rheinfall 50 % 100 50
DEP imag. Widnau/CH 50% 80 40
Diehl-Gruppe Überlingen/D Def. 100 %
Aero 20 %
1.700
1.200
1.700
240
EADS Immenstaad/D Cass. 80 %
Astr. 20 %
1.600
1.000
1.280
200
FFA Altenrhein/CH 20 % 50 10
Hartchrom Steinach/CH 10 % 400 40
Konzept Info. Syst. Meersburg, Kreuzlingen 20 % 150 30
Liebherr FN, Lindau und Lindenberg i.A. 25 % 2.320 580
Matrium ÜB und FN 25 % 60 15
Mowag Kreuzlingen/CH 90 % 700 630
MTU Togn Friedrichshafen 20 % 6.000 1.200
ND SatCom Immenstaad/D 60 % 80 48
RdA Salem/D 50 % 60 30
Rheinmetall Stockach/D 100 % 100 100
RST Salem, Thal 30 % 20 6
Swiss Arms Nhs.a.Rheinfall 100 % 400 400
Tecnotron Weißensberg/D 20 % 125 25
Vectronix Heerbrugg/CH 50 % 200 100
Zep.Mob.S. Friedrichshafen 50 % 300 150
ZF Friedrichshafen und Kressbronn 2 % 8.400 168

Das sind insgesamt 7.171 Arbeitsplätze. 

Es sind meist gut bezahlte Arbeitsplätze. Es sind oft technisch oder wissenschaftlich anspruchsvolle Arbeitsplätze. Die Arbeitsplätze sind relativ sicher. Die Bodenseeregion lebt von diesen Arbeitsplätzen. Viele Familien leben davon: Manche Tochter will Reitstunden. Mancher Sohn will zum Schüleraustausch in die USA. Manches Reihenhaus muss abgezahlt werden. Außer den Menschen, die in den Rüstungsfirmen arbeiten, profitieren auch die Handwerker, Einzelhändler,  Behörden, Schulen, Kirchen, Vereine, Spediteure, Baufirmen, Ärzte ... vom Geld der Rüstungsindustrie.

Rechnung: Wie viele Tote kommen auf einen Arbeitsplatz?

Wie viele Menschen sterben durch Waffen vom Bodensee? Sind es 717 Tote pro Jahr? Das wären auf zehn Arbeitsplätze pro Jahr ein Toter. Oder es wären auf einen Arbeitsplatz alle zehn Jahre ein Toter. Ist das unrealistisch? 

Oder sind es  nur  356 Tote pro Arbeitsplatz im Jahr? Das wären auf 20 Arbeitsplätze ein Toter pro Jahr. Anders gesagt: Auf 1 Arbeitsplatz alle 20 Jahre ein Toter. Plus die doppelte Zahl an Verletzten. Das sind Menschen, denen man zum Beispiel ein Bein amputieren musste.

Was sind uns unsere Arbeitsplätze hier am Bodensee wert? Was ist uns unser Wohlstand wert?

Zahlen, die man wissen sollte:

(1.) Der Anteil der Rüstungsproduktion am Bruttosozialprodukt

Laut Bundesverband der Industrie (BDI) produzieren deutsche Rüstungsfirmen jährlich (Stand 2010) Rüstungsgüter im Wert von 16 bis 17 Milliarden Euro. Das Bruttosozialprodukt lag bei etwa 2,5 Billionen Euro (2010). Die Rüstungsproduktion beträgt also 0,68 Prozent der Gesamtproduktion.

(2.) Der Anteil des Rüstungsexports am Gesamtexport

Laut Bundesverband der Industrie (BDI) produzieren deutsche Rüstungsfirmen jährlich (Stand 2010) Rüstungsgüter im Wert von 16 bis 17 Milliarden Euro. Rund 70 Prozent davon gehen in den Export. Das ergibt einen Wert von 11,2 bis 11,9 Milliarden Euro. Insgesamt exportierte Deutschland im Jahre 2010 Waren im Wert von rund 960 Milliarden Euro. Der Rüstungsanteil am Gesamtexport beträgt also 1,17 bis 1,24 Prozent. Das bedeutet: Ein völliger Verzicht auf Rüstungsproduktion und Rüstungsexport wäre volkswirtschaftliche relativ leicht zu verkraften.


Ein Definitionsproblem:

Was sind Waffen? Was sind Rüstungsgüter?

Ist eine Radaranlage schon Rüstung? Sind High-Tech-Grenzanlagen schon Rüstung? Sind dual-use-Satelliten schon Rüstung? Es gibt ganz verschiedene Definitionen: Rüstungsgüter im engen Sinne und Rüstungsgüter im weiten Sinne. Für uns sind Rüstungsgüter alle Waren und Dienstleistungen, die man zum Führen eines Krieges benötigt. Auch zum Führen eines Bürgerkrieges.